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Solvency II beschäftigt Schweizer Versicherungsbranche

31.10.2014 – svv_tag_2014Von VWheute-Korrespondent Sascha Schulz.

Die Schweizer Versicherungsbranche trifft sich in Zürich – und bringt Solvency II und das Thema „Innovation“ auf die Agenda. Der „Tag der Versicherungswirtschaft“ im Park Hyatt, organisiert vom Schweizerischen Versicherungsverband, war bestens besucht und mit hochkarätigen Rednern bestückt.

Eveline Widmer-Schlumpf, die höchste Schweizer Wirtschaftspolitikerin, bringt es mit einem Zitat von Otto von Bismarck auf den Punkt: „Mit Gesetzen ist es wie mit Würsten. Manchmal ist es besser, nicht dabei zu sein, wenn sie gemacht werden.“ Fest steht, dass die Finanzbranche in der Schweiz hohen Stellenwert auch für die Politik hat: Jeder neunte Schweizer Franken wird hier umgesetzt, 246.000 gut dotierte Arbeitsplätze hängen an ihr, allein rund 28.000 in der hiesigen Welt der Versicherungen. International akzeptierte Rahmenbedingungen für den Finanzplatz Schweiz gibt es nur auf globaler Ebene, vor allem im Einklang mit der EU, so Widmer-Schlumpf. Und wozu das führt, zeigt die Generaldirektorin der GFIA, Michaela Koller: Dreizehn Jahre Verhandlungen, 400 Seiten Rechtsakte, 521 Richtlinien … am Ende werden es mehr als 1.500 Seiten Papier sein, die für Klarheit im Versicherungsmarkt sorgen sollen.

“Ich empfehle einen Schnell-Lese-Kurs – sonst wird der Vorstand einer Versicherungsgesellschaft gar nicht mehr in der Lage sein, seinem Tagesgeschäft nachzugehen.“ Dr. Axel Wehling pointiert als Vertreter des Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), was viele im Saal denken. Deutsche Versicherungen und die deutsche Politik sind bestens vorbereitet – dennoch: Für kleine und mittelgroße Versicherungsgesellschaften können die Solvency II Regulierungsanforderungen zum organisatorischen und damit auch finanziellen Problem werden. Auf dem Podium diskutiert Wehling mit seinem österreichischen Kollegen Mag. Christian Eltner und Dr. Alexander Imhof, der die Finanzmarktaufsicht Liechtenstein repräsentiert.

Der Konsens: Nach intensiver Vorbereitungszeit, strukturellen Änderungen der europäischen Aufsichtsbehörden, Kompetenzgerangel und hoher Einflussnahme von Organisationen, die eigentlich nur Leitlinien definieren sollten, steht mit Solvency II ein Regularium unmittelbar vor der Vollendung, das künftig Versicherte durch mehr Transparenz besser schützt, die optimale Kapital-Allokation ermöglicht und auf internationaler, zumindest auf europäischer Ebene für eine kohärente Rechtsauslegung sorgt. Die Kehrseite ist ein enorm hoher zusätzlicher administrativer Aufwand, der allein in Deutschland auf drei bis fünf Milliarden Euro geschätzt wird.

Die Versicherungsbranche wird allzu oft mit Banken in einen Topf geworfen – und läuft so Gefahr, dass ihre eigenen Interessen und vor allem Anforderungen an ihre Geschäftsmodelle aus den Augen verloren werden. „Wir sitzen alle in einem Boot“, so Imhof. Auch die nationalen Finanzmarktaufsichten müssen regelmäßig an europäische Institutionen reporten – und dabei ihren jeweiligen Wirtschaftsstandort im Auge behalten. GDV-Vertreter Wehling zum Thema: „Meine Frau hat in er Zeit, in der ich mich mit Solvency II beschäftige, vier Kindern das Leben geschenkt. Denken Sie mal darüber nach, wer mehr für die Gesellschaft getan hat?“

Auf Diskussionen zu Solvency II folgt ein Lichtblick: Der Verband kürt die Preisträger des diesjährigen Innovationspreises. Zeitgemäß landet auf Rang eins mit der Pax Versicherung ein Unternehmen, das eine App für die personalisierte Beratung entwickelt hat. Auf dieses folgt Vita. Die Sammelstiftung erhöht mit einer neuen Anlagestrategie Ertrag, Transparenz und Anlagesicherheit. Platz 3 macht Sanitas. Sie stellt vor allem älteren Patienten eine softwarebasierte Lösung an die Seite, die bei der Einnahme von gleichzeitig fünf oder mehr Medikamenten auf Wechselwirkungen hinweist.

Anregende Vorträge zu Trends, Innovationen und Praxisbeispielen – vorgetragen von drei Vertretern des Instituts für Versicherungswirtschaft an der Universität St. Gallen, erhellen den Nachmittag.

Fazit: Erfahrungsaustausch, Networking und ein Blick in die Zukunft, die eher durch mehr Regeln begrenzt, als durch Innovationen gepusht wird.

Bild: Gelassene Stimmung und offene Atmosphäre: Die Zahlen in der Schweizer Versicherungsbranche stimmen – aber für die Zukunft muss vorgesorgt werden, damit der Standort seine Attraktivität behält (Quelle: © mobipress.ch / Sarah Klasing)

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