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Sharing Economy: Prämien werden von Bewertungen abhängen

29.04.2015 – Sanderson_XL_Group“Firmen der Sharing Economy wachsen zuweilen sehr schnell – oftmals innerhalb weniger Monate – und brauchen daher einen Versicherer, der groß genug ist, ihre Risiken abzudecken und gleichzeitig klein genug, um flexibel zu agieren”, erklärt Henry Sanderson von XL Group im exklusiven Interview mit VWheute. Ihm geht es um Risiken der digitalen Marktplätze und Anbieter von Car Sharing, über Arbeitsvermittlung bis hin zum Peer-to-Peer-Banking.

VWheute: Gibt es hier besondere Risiken, die nicht zu decken sind?

Henry Sanderson: Eines der Risiken, die nicht ganz einfach abzudecken sind, ist etwa das Reputationsrisiko. Dies ist interessant, weil es in diesem auf Vertrauen basierenden Wirtschaftszweig ganz besonders wichtig ist. Nutzer schenken Online-Bewertungen und Kritiken mittlerweile mindestens gleich viel Vertrauen wie der traditionellen Werbung. Daher wird es immer wichtiger, die digitalen Geschäftseinheiten von falschen Kritiken und betrügerischen Ratings zu schützen. Ich persönlich bin der Meinung, dass wir in Zukunft vermehrt Zeuge davon werden, wie sich Versicherungsprämien parallel zu den jeweiligen Ratings bewegen. Demnach würde sich zum Beispiel die Prämie für einen Sharing-Partner nach oben bewegen, wenn er über einen längeren Zeitraum hin schlechte Ratings erhält.

VWheute: Inwieweit könnte die Sharing Economy ein idealer Markt für kontextbezogene Policen sein?

Henry Sanderson: Die Sharing Economy als solche ist ein überaus heterogener Markt und wird sich daher wohl auch in Zukunft vorwiegend nach Maß versichern lassen. Dennoch ist es natürlich denkbar, dass in gewisser Weise Policen gebündelt werden – etwa in Bezug auf Kategorien wie Home Sharing/Ride Sharing/Peer-to-Peer Lending. Es gibt eine ganz große Gemeinsamkeit zwischen all den Sharing Economy Unternehmen: die flexible Zeiteinteilung. Versicherte werden nach meiner Ansicht in Zukunft weniger auf Versicherungspolicen setzen, die fix über ein Jahr gültig sind. Wenn ich über eine Sharing-Plattform für einige Tage ein Haus miete, benötige ich keine Police von zwölf Monaten. Diesen Trend beobachten wir heute schon, er wird sich aber akzentuieren.

VWheute: Sie sehen eine Ihrer Aufgaben in der Schaffung von Risikobewusstsein: Wie stellen Sie sich konkret präventive Maßnahmen vor?

Henry Sanderson: Die kreativen Köpfe, die hinter einer Startup-Unternehmung in der Sharing Economy stecken, haben sicherlich tausend Dinge im Kopf, die ihnen schlaflose Nächte bereiten. Versicherung sollte meines Erachtens keines davon sein. Im Gegenteil sehen heute schon viele Unternehmer den Versicherungsaspekt als große Marketing-Chance. Sie wollen ihren Kunden aufzeigen, dass das Risiko auf ihrer Plattform kleiner ist als auf anderen Kanälen und erhoffen sich so, die Kunden an sich zu binden. Hier kann ein Versicherer angemessen Schutz anzubieten – sowohl für das Unternehmen selbst als auch für die Kunden. Eine der wichtigsten präventiven Maßnahmen ist dabei eine ausformulierte Risiko-Strategie. Wenn eine solche erarbeitet ist, kann diese mit der Zeit angepasst werden – und das Unternehmen kann weiter nachhaltig wachsen.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz

Link: Chancen und Risiken der Ökonomie des Teilens (Fast Fast Forward)

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