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Selbst-Kaperung durch MH370-Piloten wohl versichert

19.03.2014 – cockpit_kleinWie es mittlerweile scheint wurde der Flug Malaysian Airlines MH370 vom Piloten, dem Co-Piloten oder einem Mitglied der Crew entführt. Auch  in dieser bislang ungewöhnlichen Fallkonstellation dürfte Versicherungsschutz für Kasko und Haftpflicht bestehen, jedoch nicht unter der Grund-Deckung sondern unter der Zusatzdeckung für Terror und politische Risiken.

Das britische Transportversicherungsrecht fußt auf dem Marine Insurance Act 1906. Im Schedule des Gesetzes findet sich der archaisch formulierte Wortlaut der klassischen Lloyd’s Police. Das britische Recht gilt weitgehend in den einstigen Kolonialstaaten wie auch Malaysia fort und ist darüber hinaus die Basis für die Interpretation von Luftfahrtpolicen. Transportpolicen decken gem. der Legaldefinition der „maritime perils“ ausdrücklich auch „barratry of the master and mariners“, d.h. Situationen wo die Schiffsbesatzung selbst Eigner-Instruktionen zuwiderhandelt.

Das Wort „barratry“ leitet sich anscheinend von einem älteren französischen Verb „barater“ ab welches die Begehung einer Untreue (gegenüber dem Schiffseigner) bezeichnet. Lehnt sich die Crew gegen den Kapitän auf (wie etwa 1789 im Fall der HMS Bounty, damals setzte die Crew den verhassten Captain William Bligh in einem Beiboot aus) so fällt auch dies unter „barratry“. Ein „act of piracy“ liegt lediglich dann vor wenn ein Nicht-Besatzungsmitglied handelt.

Ein historischer Fall von „barratry“ ist National Union Fire Insurance Co. v. Republic of China et al. Die Kapitäne von sechs durch die USA an die Republic of China veräußerten Schiffe hatten 1950 die rotchinesische Flagge aufgezogen und ihre Schiffe der nach Taiwan geflohenen Chiang Kai-shek Regierung entzogen. National Union (Teil von AIG) wurde von einem US District Court zur Ersatzleistung verurteilt. Damals betrachteten die USA die „temporär“ nach Taiwan geflohene Regierung als die einzig legitime, das Urteil also war wohl politisch motiviert.

Die in der Luftfahrtversicherung geltende Standardausschlussklausel für Krieg etc. betrifft u.a. „wrongful exercise of control”. Demnach dürfte auch die Entführung einer Maschine durch die Crew von der Grunddeckung ausgeschlossen sein. Jedoch ist in aller Regel der Wiedereinschluss gegen eine Zusatzprämie unter AVN 51A (Extended Coverage Endorsement Hulls) sowie AVN 52H (Extended Coverage endorsement Liabilities) vereinbart. Führender Versicherer der durch Willis platzierten Malaysian Airways Police ist anscheinend die Allianz.  (cpt)

Bild: Was hat sich im Cockpit der Malaysian Airlines MH370 abgespielt? (Quelle: ILR, TU Berlin)

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