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Schreckensszenario Japan: Eurozone mit Parallelen

25.09.2014 – Japan's Famed Miyajima Gate Hiroshima PrefectureEine stockende wirtschaftliche Erholung, niedrige Inflation und sinkende Anleiherenditen – Axa-Volkswirte sehen in einer aktuellen Analyse auffällige Parallelen im europäischen Finanzsektor und in der Geldpolitik mit dem Japan der frühen 90er-Jahre. Allerdings: eine heftige Japanisierung drohe nicht.

Neben einer leichten Deflation sehen Axa-Volkswirte einen Rückgang des Produktivitätswachstums, eine verhaltene Nachfrage und anhaltend niedrige Zinsen trotz einer äußerst expansiven Geldpolitik als Parallelen. Insbesondere die niedrige Inflationsrate in der Eurozone – die Experten rechnen im Schnitt mit 0,5 Prozent in diesem Jahr – und die sinkenden Anleiherenditen – erwartete ein Prozent bei zehnjährigen Bundesanleihen – lassen diese Gefahr in Europa hochflammen.

Die Axa- Analyse der vier Ursachen einer Japanisierung:

1. Langsame Erholung des Finanzsektors nach einer Krise: Dass sich die japanischen Banken nach dem Platzen der Investmentblase Anfang der 90er-Jahre nur langsam erholt hätten, sei eine zentrale Ursache für die Entwicklung in Japan gewesen. Erst 2003 sei es Japan gelungen, einen einheitlichen „Bad-Bank-Ansatz“ zu etablieren. Auch in Europa seien Kredite die problembehafteten Vermögenswerte, nicht Wertpapiere wie in den USA. Finanzinstitute hätten zudem Staatsanleihen angehäuft. Bei italienischen Banken machten diese inzwischen etwa zehn Prozent der Assets aus, ähnlich sei es in Spanien oder Portugal.

2. Mangelhafte Geldpolitik: Als zweite Ursache für die Entwicklung in Japan führen die Volkswirte eine schlechte Geldpolitik an. Die Bank of Japan habe sich zu langsam und inkonsequent verhalten. „Damit hat sie es versäumt, die Wirtschaft anzukurbeln. Wachstumserwartungen wurden gedämpft“, so die Experten. Hier sehen sie die zweite Parallele zu Europa: Die EZB ist bereit, die Deflation in der Eurozone zu bekämpfen. „Ein japanisches Szenario bedeutet konkret, dass auch die EZB gezwungen ist, unkonventionelle geldpolitische Maßnahmen einzusetzen.“

3. Überalterte Gesellschaft: Japans Bevölkerung ist im internationalen Vergleich sehr alt. Ökonomisch gesehen bedeutet eine alternde Gesellschaft ein schwächeres Wirtschaftswachstum, eine sinkende Nachfrage und fehlende Fachkräfte am Arbeitsmarkt. „Zwar altert auch die europäische Gesellschaft. Doch die Situation ist noch nicht so kritisch wie in Japan“, schreiben die Volkswirte. Ein Grund dafür sei, dass Europa traditionell eine Einwanderungsregion sei.

4. Anfälligkeit für externe Schocks: Schließlich sei die Anfälligkeit für externe Schocks eine weitere Ursache für die „verlorenen Jahrzehnte“ zwischen 1990 und 2010 in Japan. So sei das Land nacheinander von der Asienkrise 1997, den Folgen der Dotcom-Blase 2001 und der großen Finanzkrise 2008 betroffen gewesen. In diesem Punkt sieht er keine Parallele zu Europa: „Die Eurozone ist zwar eine starke Exportregion, aber die Exporte sind breiter diversifiziert als in Japan. Das macht sie weniger anfällig für externe Schocks.“ (vwh)

Bildquelle: Sean Pavone/ fotolia

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