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Schadenversicherern droht Unterreservierung

09.02.2016 – Den deutschen Schadenversicherern droht in den nöchsten Jahren eine Unterreservierung. Zwar sei die “Schadenreservierung in Deutschland im internationalen Vergleich konservativ”, konstatiert die Ratingagentur Fitch in ihrem Marktausblick. Dennoch hatte Munich-Re-Vorstand Ludger Arnoldssuen bereits vor drei Jahren in Baden-Baden ein entsprechend negatives Szenario skizziert.

Das konkrete Beispiel: bei einem Pflegefall, der monatlich Kosten über 1.200 Euro verursacht, summiert sich der Schadenbedarf nach 30 Jahren auf rund eine Million Euro. Voraussetzung hingegen ist der Umstand, dass der Diskontierungssatz von 1,75 Prozent den wirtschaftlichen Realitäten entspricht. Das Problem: Eine Untersuchung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beziffert die Teuerungsrate in solchen Fällen jedoch auf bis zu neun Prozent. Die Folge im konkreten Fall: eine Unterreservierung von 78 Prozent binnen 30 Jahren.

Dabei spielen gleich drei Effekte eine Rolle, die zu einer entsprechenden Unterreservierung führen können. Zum einen ist der medizinische Fortschritt extrem kostspielig. Medizinische Hilfsgeräte erleichtern zwar das Leben für die Geschädugten, doch sind diese nicht gerade billig. Zudem tun sich die Haftpflichtversicherer schwer, bei Personenschäden auf die Kostenbremse zu treten. Der Grund: die Furcht vor einem Imageschaden, wenn die Angehörigen der Opfern an die Öffentlichkeit gehen.

Hinzu kommt der Umstand, dass geschädigte Personen dank einer besseren medizinischen Behandlung eine zunehmende Lebenserwartung haben. Verschärft wird die Lage schließlich noch durch die Zinssituation. Zwar erwirtschaften die Schadenversicherer etwa vier Prozent Rendite auf ihre Kapitalanlagen. Damit liegen sie jedoch deutlich unter den Ergebnissen vor der Finanzkrise.

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Die logische Konsequenz wären also Preiserhöhungen: Zwar sind die Beitragseinnahmen in der Kfz-Haftpflicht weltweit um etwa ein Prozent gestiegen. In der Rückversicherung war bei der Erneuerung angesichts des Marktdrucks allerdings nicht an Preiserhöhungen zu denken. Sollte nun ein neuer Preiswettbewerb beginnen, könnte dies am Ende auch die deutschen Schadenversicherer dazu verführen, auch an ihren heiligen Rücklagen zu knapsen.

Eine weitere Möglichkeit wäre hingegen Optimierung des internen Schadenmanagements. Dabei tendieren die Versicherer “verstärkt dazu, Dienstleisternetzwerke zur Bearbeitung ihrer Schadenfälle aufzubauen oder sich daran zu beteiligen”, stellt Jens Ringel, Geschäftsführer der Versicherungsforen Leipzig, gegenüber VWheute fest (siehe DOSSIER). (vwh/ba)

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Link: Löcher in den Reserven. Droht den deutschen Schadenversicherern ein Problem mit der Unterreservierung? In VW 02/16 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

Grafikquelle: vwh

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