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Schadenkongress: Wohngebäudeversicherung intelligent sanieren

28.11.2013 – BusinessforumDie Wohngebäudeversicherung ist das große Sorgenkind der Branche, so die Expertendiskussion auf dem Kongress BF21 „Aktives Schadenmanagement“ in Köln. So dürfte die kombinierte Schadenkostenquote 2013 bei rund 129 Prozent liegen, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) laut der Axa-Versicherung prognostiziert.

„Das Ergebnis 2013 geht baden, wird verhagelt und weggeblasen“, so Rainer Brune, Mitglied des Vorstandes der Axa Versicherungs AG. Problematisch sei, dass der Anpassungsfaktor in der Wohngebäudeversicherung die Steigerung der Schadenentwicklung seit Jahren nicht auffangen kann. Seit 2000 habe die Differenz im Schnitt zwölf Prozentpunkte betragen. Für 2013 werde sogar mit einer Lücke von 26 Prozentpunkten gerechnet. Die Wohngebäudeversicherer leiden zum einen unter dem Klimawandel. So steige nicht nur die Frequenz der Ereignisse, sondern auch der versicherte Schadenaufwand. Das bestätigt Peter Höppe, Leiter der GeoRisikoForschung bei der Münchener Rück. Wetterbedinge Naturkatastrophen würden weiter an Zahl und Ausmaß zunehmen. Die gelte global auch für Deutschland. Der Klimawandel könne nicht mehr gestoppt, sondern nur noch begrenzt werden.

Wohngebäudeversicherer werden aber zudem vom sehr alten Gebäudebestand in Deutschland belastet. Von den rund 18 Millionen Wohngebäuden sind die meisten älter als 20 Jahre. Die Folge seien Rohrbrüche durch Verschleiß und Frost, die als Leitungswasserschäden rund 50 Prozent des Gesamtschadens in der Wohngebäudeversicherung ausmachen würden. Der Trend zu steigenden Schadendurchschnitten sei ungebrochen. Daher empfiehlt die Axa, die Tarifierung der Wohngebäudeversicherung unbedingt am Gebäudealter zu orientieren. Das sei heute im Markt immer noch nicht die Regel. Zudem könnten die Wohngebäudeversicherer von der Kfz-Versicherung lernen. Hier gäbe es mehr als doppelt so viele Tarifierungsmerkmale. „Die Wohngebäudeversicherung ist versicherungstechnisch vernachlässigt“, so Brune. Die Tarifierung sollte zusätzliche Informationen über die Struktur der Topografie, des vergangenen und – soweit überhaupt möglich – zukünftigen Wetters, über die Bewohner, Besitzer und Nachbarn sowie über Details zu Vorschäden nutzen. Zudem sei eine restriktive Annahmepolitik notwendig. Grundsätzlich sollte eine Vorversicherungsanfrage erfolgen. Kein Weg führe an Beitragserhöhungen im Bestand vorbei. Statt aber Erhöhungen „mit der Gießkanne“ durchzuführen, sollte eine risikogerechte Nachkalkulation vorhandene und externe Daten nutzen.

Beim Schadenmanagement plädiert Brune für den Einsatz von Assistance-Gesellschaften und Handwerkernetzen. Auch hier könnten die Wohngebäudeversicherer von den Werkstattnetzen der Autoversicherer lernen. Aus den Erfahrungen der Flutschadenregulierung Anfang 2013 warnt die Versicherungskammer Bayern vor einer langen Trocknungsdauer und Heizölschäden. Letztere könnten den Schaden verzehnfachen. Hier ist daher das Risikomanagement vor dem Schaden gefragt. Nach Flutschäden ist die sofortige Trocknung von Häusern unerlässlich. Andernfalls müssten große Teile des Hauses komplett erneuert werden. Daher plädieren die Experten für ein schnelles Krisenmanagement. Wie das funktioniert, hat die Allianz Versicherung unter Beweis gestellt. Das Unternehmen hatte nach der Flut einen Krisenstab eingerichtet der sich jeden Tag unter Mitwirkung von Vorständen traf und wöchentlich Prognosen für die Schadenabwicklung der Zukunft erstellte. Mit einem eignen Handwerkernetz und der schnellen Sicherung von 30.000 Trocknungsgeräten, konnte die Allianz 45.000 Überschwemmungsschäden in kürzester Zeit bewältigen. (usk)

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