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Run-off als Strategie zur Krisenbewältigung

20.02.2014 – Run-offDie Hoffnung auf eine baldige Erhöhung der Leitzinsen wird sich wohl nicht erfüllen. Das zwingt die Versicherungswirtschaft dazu, über neue Geschäftsmodelle nachzudenken. Das Abgeben von  Beständen mittels Run-off ist eine der möglichen Lösungen, wie eine Veranstaltung aufzeigte.

„Krise ist das Wort, das ich in den letzten Monaten am häufigsten bei meinen Vorträgen verwendet habe“ – mit dieser Aussage eröffnete Michael Meinhart, Chefvolkswirt der Munich Re, die SZ-Fachkonferenz zum Thema Run-off in Hamburg. Auch wenn es Erholungstendenzen in den USA, Großbritannien und China gibt und Deutschland einen Beschäftigungsrekord verzeichnet, sind die Aussichten in der Eurozone und den Emerging Markets nicht so rosig. Da eher mit einer Deflation als mit einer Inflation zu rechnen ist, kann man davon ausgehen, dass die Zinsen erst einmal auf ihrem jetzigen Niveau verharren und womöglich noch sinken. Meinhart hält aber eine gewisse Normalisierung im Zinsumfeld in den nächsten zwei Jahren für möglich, sofern erneute Rückschläge in der Eurozone ausbleiben. Dass Staatsanleihen niedrige und abnehmende Renditen aufweisen sei allerdings nichts Neues – der Abwärtstrend habe bereits Ende der 70er Jahre begonnen. In den 80er und 90er Jahren seien noch einmal Renditen von sechs bis acht Prozent möglich gewesen – diese Zeiten seien aber definitiv vorbei.

Für die Versicherer heißt das, dass die Erträge aus den Kapitalanlagen vor allem für die Altbestände mit hoher Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung oder für die Regulierung von Schäden in der Schadenversicherung nicht mehr ausreichen. Eine Alternative ist es, Produkte für das Neugeschäft zu schließen und nur noch die vorhandenen Bestände zu verwalten. Dieses Run-off kann entweder in eigener Regie oder durch Auslagerung an darauf spezialisierte Unternehmen wie die Darag Deutsche Versicherungs- und Rückversicherungs-AG durchgeführt werden. Im Bereich Leben ist dagegen die Heidelberger Lebensversicherung gerade dabei, sich als Konsolidierungsplattform für abzugebende Bestände zu etablieren.

Im Kreuzverhör verwies Darag-Vorstandssprecher Arndt Grossmann auf die Kostenvorteile, die ein abgebendes Unternehmen dadurch habe. Dabei müssten beide Seiten natürlich sehr genau prüfen, ob die Übernahme sinnvoll sei. Das abgebende Unternehmen müsse dabei einen Aufschlag auf den Schätzwert der möglichen zukünftigen Schäden und Verpflichtungen von zehn bis 25 Prozent bezahlen, in Abhängigkeit von der Rest-Volatilität des Bestands, wobei die Darag nur Bestände übernimmt, bei denen die Prämie in diesem Jahr ausläuft.

Für die Kunden werde dies keine Verschlechterung bei der Schadenabwicklung bedeuten, versicherte Grossmann. Dies wird die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin)im Einzelfall genau prüfen, betonte Kay-Uwe Schaumlöffel, Leiter der Grundsatzabteilung V5 der Bafin. Seine Behörde habe deshalb keine einheitliche Beurteilung des Run-off-Geschäfts. Grundsätzlich sieht sie es aber kritisch, dass durch das Wegfallen des Neugeschäfts kein Wettbewerb um Neukunden mehr stattfindet, was auch die Bestandskunden, zum Beispiel bei der Überschussbeteiligung, benachteiligen kann. Bei einer Übernahme von Beständen würden deshalb der neue Inhaber und sein Geschäftsmodell sehr genau geprüft, unwichtig seien dagegen sein Herkunftsland und die Branche, in der er tätig ist. (sgk)

Den ausführlichen Bericht über die Veranstaltung lesen Sie in der Versicherungswirtschaft 3/2014.

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