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Rückversicherung: Viel mehr als nur reine Deckung

15.07.2014 – Michael PickelViel mehr als nur reine Deckung bieten die traditionellen Rückversicherer ihren Kunden. Damit die aber auf dem herausfordernden Markt bestehen können, gilt es mehr denn je “auf eine hohe Disziplin bei der technischen Preisfindung zu achten”, erklärt Michael Pickel, Vorstandsmitglied des drittgrößten Rückversicherers der Welt, der Hannover Rück.

Michael Pickel äußert sich im Interview mit VWheute zur Prognose vom Rückversicherer-Branchentreff in Baden-Baden. Ob die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz in Deutschland tatsächlich zunimmt?

Pickel: Die Frage kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Die Frequenz und die Höhe der Schadenbelastung haben dazu geführt, dass alle Kunden ihre Rückversicherungsstruktur auf der Basis der Ereignisse des letzten Jahres überprüft haben. Dies hat teilweise zur Folge, dass der Deckungsschutz angepasst wurde, d.h. entweder Deckungsstrecken aufgestockt oder Frequenzdeckungen hinzugekauft wurden. Allerdings haben die Preise für diese Deckungen nicht so stark wie erwartet angezogen, was eben an dem zunehmenden Wettbewerb im deutschen Naturkatastrophengeschäft liegt.

VWheute: Nach Ihren Angaben ist Prämiendruck in der Schaden-Rückversicherung durch “neue Konkurrenz” gestiegen. Können Sie das erklären?

Pickel: Nachdem sehr große Schäden, insbesondere aus Naturkatastrophen, in den letzten Jahren weltweit – mit Ausnahme von Deutschland und Kanada – ausgeblieben sind, hat sich die Kapitalsituation der Erstversicherer deutlich verbessert. Folglich konnten sie ihre Selbstbehalte erhöhen und das hat die Nachfrage nach Rückversicherungsschutz natürlich geschmälert. Zudem drängen neue Investoren, wie z. B. Pensionsfonds, in den Markt. Sie suchen attraktivere Anlagemöglichkeiten, da die Zinsen in den vergangenen Jahren stetig rückläufig waren. Insofern kann man eine Überkapazität bei der Deckung von reinem Naturgefahrengeschäft feststellen, was jedoch nicht in demselben Maße wie in anderen Märkten für das deutsche Geschäft gilt.

VWheute: Was belastet Sie zurzeit stärker, Wetterkapriolen, Niedrigzinsen oder hohe Liquidität im Markt?

Pickel: Da würde ich keine Rangfolge festlegen. Aber es ist sicherlich richtig, dass das Umfeld für die Rückversicherer herausfordernd ist. Extreme Wetterereignisse mit hohen Schäden wie in Deutschland können wir als weltweit gut diversifizierter Rückversicherer auffangen. Dennoch ist es aus meiner Sicht ein Fakt, dass wir uns auf heftigere lokale Unwetterereignisse einstellen müssen, wozu ich besonders das Phänomen von Überschwemmungen/Starkregen zähle. Was das niedrige Zinsniveau betrifft, so gilt es mehr denn je auf eine hohe Disziplin bei der technischen Preisfindung zu achten und gegebenenfalls auch Geschäft, das unsere Margen nicht erfüllt, aufzugeben. Was die Überkapazitäten angeht, so muss man sagen, dass wir dies nicht zum ersten Mal erleben. Würde sich unser Geschäft allein um die Deckung von Naturgefahren drehen, müsste ich besorgt sein, aber das ist nicht der Fall, denn wir decken in einem erheblichen Umfang auch Geschäft ab, das nicht durch die bereits angesprochenen neuen Anbieter bedient wird, d.h. also vor allem Haftpflicht- und Kraftfahrzeughaftpflichtgeschäft.

VWheute: Wann wären Grenzen für die Zeichnung von Naturgefahren erreicht?

Pickel: Die Grenze ist dann erreicht, wenn wir einmal unser Risikomaß insgesamt überschreiten würden und andererseits, wenn wir unsere Profitabilitätsziele mit diesem Geschäftssegment nicht mehr erreichen könnten.

VWheute: Das traditionelle Rückversicherungsgeschäft ist Ihrer Meinung nach kein Auslaufmodell. Was macht Sie da so sicher?

Pickel: Anders als die alternativen Kapitalgeber decken die traditionellen Rückversicherer auch Risiken ab, die für den alternativen Markt nicht interessant sind, weil die Abwicklung langfristiger läuft und das Risiko auch nicht modellierbar ist, also z.B. Haftpflichtgeschäft. Zudem gewähren die traditionellen Rückversicherer viel mehr als nur die reine Deckung. Sie bieten ihren Kunden Service und Beratung an, entwickeln gemeinsam Produkte. Da ist die Langfristigkeit der Kundenbeziehung von ganz besonderem Wert. Ich würde die gegenwärtige Situation nicht überbewerten. Das Modell der traditionellen Rückversicherung wird Bestand haben.

Das Interview führt VWheute-Korrespondent Wolfgang Otte.

Link: Hannover Rück: Versicherungsschutz für verletzte Fußball-Nationalspieler (Tagesreport vom 10.07.2014)

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