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Rückversicherung: “Der Bodensatz wird langsam sichtbar”

13.04.2016 – Knipprath_Guy_CarpenterIn Sparten wie Cyber und Haftpflicht kann der Rückversicherungsmakler mit Überblick und Spezialwissen punkten, glaubt Dirk Knipprath von Guy Carpenter. Seine Prognose: “Die Konsolidierung unter den Rückversicherern wird sich fortsetzen”, sagt er im Exklusivinterview mit VWheute. Von einem Oligopol sei man jedoch sehr weit entfernt, da der Markt an Kapazitätsgebern sei groß sei, ergänzt der Experte.

VWheute: Wie ist die aktuelle Lage in der Rückversicherung?

Dirk Knipprath: Grundsätzlich befinden wir uns in einem Markt mit Überkapazitäten: Weiterhin strömt alternatives Kapital in den Markt, die Kapitalisierung der traditionellen Rückversicherer reduziert sich nur leicht, wodurch sich eine relativ unveränderte Gesamtkapitalisierung ergibt. Eine unterdurchschnittliche Schadenaktivität im Bereich der Naturgefahren kann den Ertragsverlust durch die sinkenden Preise nur teilweise kompensieren. Ebenso sehen wir weiterhin Reserveauflösungen unter den Rückversicherern; eine flächendeckende Unterreservierung zeichnet sich noch nicht unmittelbar ab.

Die letzte Erneuerung war gekennzeichnet durch Augenmaß: gerade für Deutschland konnten wir feststellen, dass Preisreduktionen nicht immer bis zum Letzteren ausgenutzt wurden, zumal ein stabiles Rückversichererpanel einer (übermäßigen) Preisverbesserung oftmals vorgezogen wurde. Die sich bietenden Spielräume seitens der Zedenten wurden ebenso für Nachbesserungen in den Bedingungen genutzt oder aber auch, um Anpassungen der Deckung (Frequenz und Höhe) unter Berücksichtigung von Solvency II vorzunehmen. Stichworte hier: Man-Made-Katastrophen, Feuerkumule und Natcat.

VWheute: Welche Auswirkungen sehen Sie für das Maklergeschäft?

Dirk Knipprath: Die Konsolidierung unter den Rückversicherern wird sich fortsetzen und in einigen Standorten von Rückversicherungsgesellschaften werden Geschäftspläne und -strategien überprüft, mit unterschiedlichen Auswirkungen. Der Markt an Kapazitätsgebern bleibt jedoch weiterhin so groß, dass wir uns von einem Oligopol noch sehr, sehr weit entfernt sehen. Alternativen gibt es immer auseichend.

Im konkreten Tagesgeschäft bei unseren Kunden stellen wir fest, dass Solvency II noch nicht komplett abgearbeitet ist. Daher reicht es nicht mehr den traditionellen Platzierungsauftrag zu erfüllen. Vielmehr arbeiten Makler vermehrt als Unternehmens- und Risikoberater, die den Kunden vollumfänglich unterstützen. Zudem sehen wir im Markt eine Tendenz zur Ausschreibung von Rückversicherungsprogrammen, welche die gesamte Wertschöpfungskette von der Analyse von Rückversicherungsstrukturanalyse über Naturgefahrenmodellierungen und Eigenkapitaloptimierungen beinhalten. Die eigentliche Platzierung dient hier lediglich zur effizienten Abwicklung der Transaktion.

VWheute: Wo sehen Sie innovative Ansätze im Rückversicherungsgeschäft?

Dirk Knipprath: Auf der Produktseite erwarten wir Impulse natürlich durch Cyberdeckungen. Aktuell haben wir es mit einer äußerst inhomogenen Landschaft zu tun, sowohl was die Versicherungsbedingungen wie auch die Schadendefinitionen angeht. Hier kann der Makler mit Überblick und Spezialwissen genauso punkten wie beispielsweise bei der Arzthaftpflicht. Ähnlich gelagert ist der Fall bei der Nanotechnologie mit ihren Unwägbarkeiten.

Abschmelzende Margen in saturierten Märkten führen bei einigen großen Rückversicherungsgesellschaften, unter Beibehaltung eines konservativen Zeichnungsverhaltens, zum Rückgang von Geschäftsvolumen. Dieser wird zum Teil kompensiert, indem sie beispielsweise in weniger entwickelte Märkte expandieren. Diese Rückversicherer müssen, auch wenn sie kapitalstark sind, ihre Kostensituation im Auge behalten, wenn sie ihre Organisationsstruktur und ihren umfangreichen Service beibehalten wollen.

Die Digitalisierung schreitet im Versicherungsbereich stetig voran, somit sind auch die Rückversicherungsmakler gefragt, dieser Notwendigkeit Rechnung zu tragen: Elektronische Handelsplattformen für Rückversicherung wie die Guy-Carpenter-Plattformen Rebid und Marketplace sind sowohl effizienz- und transparenzsteigernd und ermöglichen den Kunden eine verbesserte Ausnutzung von Ressourcen und Marktzyklen.

VWheute: Ihre Prognose für die anstehenden Erneuerungen?

Dirk Knipprath: Bei den Preisnachlässen wird der Bodensatz langsam sichtbar. Dennoch, wenn die Vorzeichen sich nicht maßgeblich ändern, wird es weitere moderate Rückgänge geben. Allerdings kann sich die Lage schnell ändern, sofern größere Feuerschäden zu verzeichnen sind oder große Naturkatastrophen eintreten. Abzuwarten bleibt auch die zukünftige Entwicklung der Konsolidierung und die sich daraus ergebenden Änderungen für den Markt und die bereitgestellten Kapazitäten.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Dirk Knipprath, Senior Vice President beim Rückversicherungsmakler Guy Carpenter, spricht heute beim Gesprächskreis Rückversicherung in Frankfurt am Main. (Quelle: Guy Carpenter)

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