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Rückversicherer und risikogerechte Tarifierung

12.05.2015 – Bosch_Gen_ReVon Achim Bosch, Vorstand der General Reinsurance. Rückversicherer können die Risikokollektive vergrößern. Ein einzelnes Unternehmen kann theoretisch von einem Schaden betroffen sein, der nicht durch die jährlichen Beiträge seiner Kunden und das Eigenkapital kompensiert werden kann. Beispiele hierfür sind sehr seltene Ereignisse, wie sehr starke und großflächige Stürme.

Rückversicherer nehmen möglichst vielen Erstversicherern die Risiken aus solchen Ereignissen ab und bilden mit diesen Risiken, und solchen aus anderen Sparten, eine Art „Rückversicherungskollektiv“. Die individuelle Tarifierung hat keinen negativen Einfluss auf die Versicherbarkeit, solange sie risikogerecht ist.

Im Gegenteil bin ich der Meinung, dass sie sie fördert. Versicherbarkeit bedeutet allerdings für viele so etwas wie „Versicherung zu einem für mich akzeptablen Preis“. Ein vereinfachtes Beispiel: Für eine Villa an der Elbe, die alle fünf Jahre überschwemmt wird und dann einen Schaden von 100.000 Euro verursacht, muss eine Überschwemmungsversicherung sinnvollerweise 20.000 Euro pro Jahr kosten (ohne Verwaltungskosten u.a.).

Die Villa ist nicht unversicherbar, der Schutz ist einfach nur teuer! Soll die Versicherung durch die Gemeinschaft der anderen Risiken subventioniert werden? Dies ist eine politische Frage, keine
versicherungstechnische. Sie wird dann wirklich brisant, wenn es nicht um Villen, sondern um Einfamilienhäuser von normal verdienenden Bürgern geht, die z.B. aufgrund von politisch motivierten Entscheidungen in als Bauland ausgewiesenen Überschwemmungsgebieten stehen. Die Versicherungswirtschaft kann allerdings auch in solch extremen Fällen fast immer individualisierte Produkte anbieten, die zumindest existenzbedrohende Risiken abdecken können.

Nur für die wenigen übrig bleibenden Risiken, also solche, bei denen selbst eine Teilabsicherung zu viel Geld kosten muss, wäre möglicherweise eine politische Lösung erforderlich. Im technischen Sinne unversicherbar wird ein Risiko erst dann, wenn eine Prämie nicht kalkulierbar ist oder Schadensszenarien denkbar sind, die ein Versicherer nicht verkraftet und die er auch nicht auf andere Risikoträger transferieren kann. Ist eine lange Betriebsunterbrechung aus einer Unterbrechung einer unbekannten Lieferkette versicherbar? Sind Cyberrisiken mit ihrem weltweiten Kumulrisiko beliebig versicherbar? Hier sind die Fragezeichen durchaus angebracht.

Bild: Achim Bosch, Vorstand der General Reinsurance. (Quelle: GenRe)

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Report: Verführung nach Plan. Die Vermessung der Versicherten und die Diskussion um eine Fragmentierung der Kollektive, in: VW 5/15 (Einzelartikel zu 3,81 Euro)

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