Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Rückversicherer sehen Talsohle erreicht

13.09.2016 – Monte Carlo Skulptur - Phillip ThomasDie Raten der Rückversicherer sind mittlerweile auf ein kaum noch erträgliches Niveau gesunken. Diese Entwicklung hat aber wohl die Talsohle erreicht. Auch Pensionsfonds, die alternatives Risikokapital zur Verfügung stellen, sind nicht bereit, weiteren Ratenabrieb zu tolerieren. Ihre Portefeuilles sind auf z.B. 15 Prozent alternative Assets beschränkt, wovon derzeit zwei bis Prozentpunkte auf alternativen Risikotransfer entfallen.

Die dort erzielbare Rendite konkurriert dabei nach Ansicht der Rückversicherer mit der aus Venture Capital, Infrastrukturverbriefungen, Sonnen- und Windparks etc. Erscheint alternativer Risikotransfer vergleichsweise weniger attraktiv, so wird Kapital entsprechend umgeleitet, d.h. dem Rückversicherungsmarkt wieder entzogen.

Richtig die Finger verbrannt haben sich hingegen die Hedge Fund Res, Rückversicherer, die zusätzlich zum Underwriting Risiko auch noch erhebliche Investmentrisiken laufen. Dieser Ansatz dürfte mehr oder weniger gestorben sein. Dank positiver Reserveabwicklungen aus den Vorjahren zeigen die meisten sonstigen Rückversicherer nach wie vor akzeptable Ergebnisse. Ihre Eigenkapitalrendite liegt bei etwa acht Prozent, d.h. noch leicht über ihrem gewogenen cost of capital. Letzteren konnten sie durch Einsatz von günstigem Fremdkapital reduzieren, etwa von nachrangigen Bonds.

Das Bild wird zusätzlich noch durch das Ausbleiben großer Naturkatastrophen geschönt, d.h. die jährlichen diesbezüglichen kalkulatorischen Budgets der Rückversicherer werden nicht voll ausgeschöpft. Normalisiert man die Ergebnisse (Null Abwicklungsgewinne und typischere Nat-Cat Belastung), so stellt sich die Combined Ratio der Branche auf etwa 100 Prozent, was angesichts praktisch fehlender nicht-technischer Erträge und der erforderlichen Eigenkapitalrendite bei weitem nicht mehr ausreicht. Bei Eigenkapital von ebenfalls 100 Prozent der Nettoprämie und einer erforderlichen diesbezüglichen Rendite von acht Prozent müsste der Grenzwert für die Combined Ratio bei 92 Prozent liegen. Und auch dies gilt nur unter Vernachlässigung von Körperschaftssteuern, etwa für eine Bermuda-Gesellschaft.

Bleiben derartige Reserveabwicklungen aus und gibt es Ausschläge in der Katastrophen-Belastung, so muss es zu einer Verhärtung der Märkte kommen. Dies könnte z.B. 2018 der Fall sein. Bereits jetzt kommt es zu einer immer größeren De-Commoditisation, d.h. Schutz wird nicht mehr bei einem Panel von mehr oder weniger gleichberechtigten Rückversicherern zu identischen Bedingungen jeweils zum Beginn eines Geschäftsjahrs eingekauft. Vielmehr erfolgen diese im Rahmen von diskreten Megatransaktionen aus konkretem Anlass (Restrukturierungen, Firmenerwerbe). (cpt)

Bildquelle: cpt

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten