Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Puerto Rico reißt Kreditversicherer mit in den Abgrund

10.07.2015 – Puerto_Rico._US_Corp_of_EngineersDer “Commonwealth of Puerto Rico” hat es über Jahre der Misswirtschaft fertiggebracht 72 Mrd. US-Dollar an Schulden aufzuhäufen, ca. 70 Prozent des Bruttosozialprodukts. Den Absatz der Bonds hatte die Steuerfreiheit der Coupons für US-Investoren erleichtert. US-Kreditversicherern droht nun ein Schaden in der Größenordnung von 10 bis 20 Mrd. US-Dollar.

Das Puerto Rico-Exposure von MBIA liegt bei 4,5 Mrd. Dollar, das von Assured bei sechs Mrd. Dollar. Auszuschließen ist ein Totalverlust unter diesen Engagements, d.h. auch nach einem Default und einer sich anschließenden Restrukturierung dürften die Bonds noch in Höhe von vielleicht zwei Dritteln zurückgezahlt werden. Aber auch dies würde MBIA mit 1,5 Mrd. Dollar und Assured mit zwei Mrd. Dollar treffen.

Derzeit notieren Puerto Rico-Bonds im Schnitt bei ca. 76 Prozent des Nominalwerts, doch gilt es zwischen unbesicherten Bonds (59 Prozent von nominal) und solchen zu unterscheiden, die durch Verpfändung bestimmter künftiger Steuereinnahmen gedeckt sind (85 Prozent).

Das Rating von Monoline-Versicherern wie MBIA ist seit 2008 von einstigem Triple-A auf weit weniger als A gefallen. Der ursprünglich verfolgte Zweck, das Rating einzelner Anleihen durch eine zusätzliche Garantie auf ein höheres Niveau zu heben als es dem Schuldner bei isolierter Betrachtung (Standalone-Basis) gebührt hätte, wird dadurch verfehlt.

Die neun US-Monoliner haben sich nach der 2008er Wirtschaftskrise so halbwegs von den Folgen erholt, freilich ohne auch nur im Entferntesten zu einem Triple-A Rating zurückzufinden. 2008 stellte FGIC den Betrieb ein und übertrug 184 Mrd. Dollar an Exponierungen auf MBIA. Die XL Group hatte aufgrund von Monoline-Exponierungen der Tochter Security Capital Assurance große Schwierigkeiten. Andererseits entstand 2007 Berkshire Hathaway Assurance mit dem Ziel, die sich auftuende Marktlücke zu okkupieren.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Puerto Rico einigen Monolinern nun den Rest geben könnte. Während der erste Schicksalsschlag sie hinsichtlich weniger traditioneller Risiken (etwa Hypothekenverbriefungen) getroffen hatte, kommt der jetzige Schlag aus dem Stammgeschäft der Monoliner, dem Garantieren staatlicher Obligationen. (cpt)

Bild: Hafen von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan. (Quelle: U.S. Corps of Engineers)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten