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PKV: Gesundheitsdaten können Geschäftsmodell bedrohen

09.09.2015 – pkv_forum_uskImmer mehr vernetzte Geräte erfassen Gesundheitsdaten. Gesundheits-Apps boomen. Das demonstrierte der Internetexperte Sascha Lobo an vielen Beispielen aus den USA. So misst bereits eine Kontaktlinse über die Augenflüssigkeit kontinuierlich den Blutzucker, ein digitales Pflaster kann den Schweiß analysieren und die neue Appel-Watch empfängt Vitaldaten ihrer Träger.

Zudem gibt es in den USA ein Projekt, das über eine Genomanalyse die Krankheitsdisposition von Menschen bestimmen will. “Krankheiten können laut einer Studie sogar schon aus dem Nutzerverhalten in sozialen Netzwerken vorausgesagt werden”, stellte Lobo auf dem 15. Continentale PKV-Forum in Köln fest. Künftig würden daher vor allem digitale Großunternehmen über eine Fülle von Gesundheitsdaten verfügen. Sie könnten damit das heutige Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherer bedrohen, glaubt Lobo.

Daher rechnet er damit, dass der Druck auf die Assekuranzen selbst moderne Technik einzusetzen, künftig erheblich wachsen wird. “Krankenversicherer müssen sich darauf einstellen, dass digitalen Plattformen künftig über mehr Gesundheitsdaten verfügen, als die Versicherer über ihre Kunden”, prognostizierte Lobo. Nach Einschätzung von Christoph Helmich, Vorstandsvorsitzender des Continentale Versicherungsverbundes, würden Gesundheits-Apps, die ihre Träger zu mehr Fitness anhalten, die Gesundheitskosten der Versicherten kaum reduzieren.

Krankenversicherer, die auf Basis solche Daten Nachlässe geben würden, müssten mit einer Fehlkalkulation rechnen. Dem widersprach Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammern in einer lebhaften Podiumsdiskussion. Nach Erkenntnis von Montgomery sein ein Drittel der Gesundheit durch das Verhalten bestimmt.

Die meisten der Experten gehen davon aus, dass Gesundheits-Apps aus werbetechnischen Gründen auch dann schon bei Versicherungen eingesetzt werden könnten, wenn ein direkter Nutzen noch nicht ersichtlich sei. Krankenversicherer, die Technik ablehnen, müssten dann mit einer Negativselektion rechnen. Alle Versicherer müssten die Entwicklung daher genau beobachten.

“Die Vertriebe müssen nämlich nach Einführung einer solchen Technik bei der Konkurrenz deutlich machen können, warum trotzdem das Produkt A dem Produkt B vorzuziehen ist”, warnte Internetguru Lobo. Problematisch ist nach Ansicht des Ärztelobbyisten Montgomery, dass gegen die Datensammelwut von internationalen Plattformen, wie Google, keine nationalen Gesetze helfen würden. Daher sollten Menschen deutlich stärker darüber aufgeklärt werden, welche Daten sie eigentlich preisgeben.

Eine ähnliche Auffassung vertritt der ehemalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. So sei es nicht richtig, dass der Kunde per Voreinstellung von digitalen Geräten erst einmal gläsern werde und sich von der Kontrolle nur durch Abschalten der Geräte befreien könne. “Der Verbraucher muss selbst bestimmen können, was aktiviert wird”, so Schaar.

Bedenklich findet der Datenschützer, dass es immer mehr Gebrauchsgegenstände gibt, die nur funktionieren, wenn sie vernetzt sind. Einig sind sich die Experten darüber, dass dem Verbraucher bewusster gemacht werden muss, dass bei der Nutzung von digitalen Geräten vielfach Daten von sich preisgibt ohne es zu ahnen. Doch nicht nur die Nutzung der Gesundheitdaten hat ihre Schattenseiten für die privaten Krankenversicherer. Auch die anhaltende Niedrigzinsphase könnte dazu führen, dass die Beiträge in den kommenden Jahren deutlich erhöht werden müssen. (siehe DOSSIER). (usk)

Bild: Diskussionsrunde auf dem 15. Continentale PKV-Forum in Köln. (Quelle: usk)

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