Versicherungswirtschaft-heute
Donnerstag
26.05.2016
          Mobilversion

 


- Anzeige -

Pflegeversicherung: Offenbarungseid der Politik

10.09.2014 – PKV_Forum_Podium_usk_2014_150Die notwendige Altenpflege wird auch künftig vom Staat nur zu einem geringen Anteil finanziert werden können. Das machte Ulrich Dietz, Leiter des Referats Grundsatzfragen der Pflegeversicherung im Bundesgesundheitsministerium auf dem 14. PKV-Forum der Continentale Krankenversicherung deutlich. Derzeit würde in Deutschland immer noch die Familie Rückgrat der Pflege sein. „Doch die Struktur der Pflege verändert sich, weil immer weniger Verwandte aufgrund ihrer Berufstätigkeit diese Hilfe übernehmen können“, so Dietz. Gleichzeitig fehlen professionelle Pflegekräfte, wie alle Experten einer Podiumsdiskussion feststellten.

Die Politik setzt daher künftig auf Nachbarschaftshilfe. Dietz: „Es müssen neue Formen der Unterstützung entstehen.“  Im Rahmen der Pflegereform kann die Hälfte der ambulanten Sachleistung daher künftig helfenden Nachbarn ausgezahlt werden. Dafür müssen diese Laienhelfer lediglich einen Pflegekurs bei einer Krankenkasse machen. Die neue Reform wurde von den Teilnehmer der Podiumsdiskussion stark kritisiert. Denn auch wenn mehr Nachbarn helfen, dürfte es weiterhin einen mehr oder weniger großen Pflegenotstand in Deutschland geben. Kritik heimste in der öffentlichen Diskussion vor allem die Finanzierung der geplanten Pflegereform ein, bei dem ab 2016 durch einen neuen Pflegebegriffe vor allem Demenzkranke besser gestellt werden sollen.

Das führt dazu, dass alle Pflegebedürftige – heute sind es 2,5 Millionen – neu eingestuft werden müssen. „Wenn dann aber niemand schlechter gestellt werden soll, dann muss die Politik mehr Geld in die Hand nehmen“, sagte Jürgen Wasem von der Universität Duisburg-Essen. Die vorgesehene Erhöhung des Beitragssatzes um 0,2 Prozentpunkte reicht nach Einschätzung des Wissenschaftlers nicht aus. Versagt hat zudem nach Meinung der Experten der „Pflege-TÜV“. „So werden derzeit Pflegeheime in Deutschland im Schnitt mit der Note 1,2 bewertet“, stellte Ralf Suhr vom Zentrum für Qualität in der Pflege fest. Diese gute Note sei der tatsächlichen Situation aber nicht angemessen. Durchschnittsnoten würden den tatsächlichen Zustand der Pflegeheime verschleiern. Daher plädierten die Experten dafür, die Methodik der Tests zu reformieren.

Vor einer Zweiklassenpflegegesellschaft warnte der Philosoph und Publizist Richard David Precht. „Wer weniger verdient, wird künftig eine technisierte „Aldi-Vorsorge“ erhalten.“ Besserverdienende könnten sich hingegen noch eine Pflege mit qualifizierten Kräften leisten. Daher dürfte die private Pflegezusatzversicherung auch nach der Reform weiterhin einen bedeutenden Stellenwert einnehmen. Das unterstrich Jürgen Wasem, der den Verkauf der Policen „eine gesellschaftliche Aufgabe“ nannte. Sie sei umso bedeutender, weil derzeit immer noch irrtümlich viele Menschen glauben würden, dass sie über die gesetzliche Pflegeversicherung ausreichend versichert sind. (usk)

Bild: Podiumsdiskussion auf dem diesjährigen PKV-Forum. (Quelle: usk)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten