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Olympia ein Fehlstart für Brasilien?

05.08.2016 – zuckerhut_pixelioOlympische Spiele sind für die Veranstalter meist besonders prestigeträchtig. Die wirtschaftliche Rechnung stellt sich hingegen erst, nachdem das olympische Feuer erloschen ist. Euler Hermes rechnet hingegen schon im Vorfeld mit einem olympischen Fehlstart für Brasilien. Demnach rechnet der Kreditversicherer mit einem zusätzlichen Anstieg der Insolvenzen allein in Rio um bis zu fünf Prozent.

Bei den Klein- und Kleinstunternehmen prognostiziert Euler Hermes gar mit einem Insolvenzanstieg um weitere zwölf Prozent. Landesweit rechnet der Kreditversicherer in diesem Jahr mit einem Anstieg um voraussichtlich 22 Prozent. Auch die Staatsverschuldung und die Inflation werden durch die Spiele von Rio wohl steigen, konstatiert der Kreditversicherer. Die Positiveffekte durch die Spiele seien demnach allenfalls homöopathisch und temporär. Sowohl Arbeitsmarkt als auch Konsum, Investitionen und Wachstum profitieren demnach nur wenig, so Euler Hermes.

“Rio 2016 ist für die Brasilianer wirtschaftlich ein Fehlstart”, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Euler Hermes Gruppe. “Im Vorfeld der Spiele sind eine Vielzahl an Klein- und Kleinstunternehmen wie Pilze aus dem Boden geschossen, in einer ersten Welle rund um das Baugewerbe und in einer zweiten Welle in den touristischen Bereichen wie Unterbringung, Lebensmittel und Gastronomie, Transport, Dienstleistungen, Freizeitunternehmungen oder Kommunikationsservices. Neugründungen sind per se häufig stark gefährdet. Durch die hohen Mietkosten, eine möglicherweise falsche Positionierung am Markt, einseitige Geschäftsmodelle und einen erschwerten Zugang zu Finanzierung oder öffentlichen Ausschreibungen sind diese Kleinunternehmen häufig die ersten, denen nach dem Mega-Event die Puste ausgeht”, ergänzt der Ökonom.

Auch der belgische Kreditversicherer Credimundi rechnet infolge der Olympischen Spiele mit einem höheren Länderrisiko für Brasilien und mahnt Exporteure von Waren und Dienstleistungen zu erhöhter Vorsicht. “Abgesehen von der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahre 2008 war das internationale und nationale wirtschaftliche Klima bis 2010 für die Wirtschaft Brasiliens günstig”, betont Christoph Witte, Deutschland-Chef von Credimundi. Dabei genoss das Land gleichzeitig den Anstieg der Rohstoffpreise, das Vertrauen internationaler Investoren und eine Politik der Einkommensumverteilung, was dazu geführt habe, dass das Konsumverhalten der Haushalte stieg, konstatiert der Kreditversicherer.

Das Ende des Rohstoffbooms 2011 habe allerdings zu einem Negativtrend geführt, der durch die aktuelle politische Krise noch verstärkt wurde. So werde sich die Rezession 2016 infolge der Straffung der Geldpolitik und des mangelnden Vertrauens der Investoren im Zusammenhang mit der politischen Unsicherheit fortsetzen, ergänzt Credimundi. “Eine progressive Wiederaufnahme der Aktivitäten sollte jedoch 2017 zu erkennen sein. Genauer gesagt dürfte das reale BIP 2016 um 3,3 Prozent schrumpfen, bevor es 2017 und 2018 leicht wachsen wird”, betont Witte.

Auf den brasilianischen Versicherungsmarkt scheint die Krise bislang jedoch kaum durchzuschlagen. So trägt dieser derzeit nur etwa vier Prozent zum aktuellen Bruttoinlandsprodukt bei, konstatiert Nicole Dunkel von den Versicherungsforen Leipzig. Dabei lag die durchschnittliche Wachstumsrate der Lebensversicherungsprämien 2015 deutlich über dem Wirtschaftswachstum des Landes. Eine negative Entwicklung verzeichnete hingegen der Nichtlebenbereich. Hier sanken die Prämieneinnahmen von rund 42,6 Mrd. US-Dollar im Jahr 2014 auf knapp 32 Mrd. US-Dollar im Jahr 2015. Inflationsbereinigt ergab dies einen Rückgang von -2,6 Prozent (siehe DOSSIER). (vwh/td)

Bild: Christopher Zapf / pixelio.de

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