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Neue Normalität in China

11.01.2016 – viertel_schanghai_hyDramatische Kurseinbrüche an den chinesischen Aktienmärkten haben gleich zum Jahresanfang weltweit Sorge hervorgerufen. So herrscht eine berechtigte Sorge über die tatsächliche wirtschaftliche Lage der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft. Dennoch soll die Lage nicht überinterpretiert werden. Chinesische Börsen sind im Unterschied zum Westen keine Indikatoren für die reale Wirtschaftslage.

Die 90 Mio. privaten Anleger verhalten sich an den Aktienmärkten wie im Casino. Deren Reaktionen auf Marktereignisse sind alles anders als professionell. Auf eine negative Meldung kann immer übermäßig panisch reagiert werden. Anderseits ist das Marktbild auch verzerrt durch die Eingriffe der Regierung. Im letzten Sommer wurden die großen staatlichen Versicherer wie China Life und PICC von der Regierung angerufen, ihre Aktien nicht aus dem Markt zu ziehen sondern mehr zu kaufen.

Sicherlich hat sich das Wachstum dort verlangsamt. Die entscheidende Frage lautet: worin liegt der Grund? Seit zwei Jahren versucht die chinesische Führung die Wirtschaft umzustellen auf eine nachfragebetriebene, technologiebasierte und dienstleitungsorientierte. Dazu gehört auch der Abbau der riesigen Produktionsüberkapazität. Bislang wurde sie überwiegend durch Verschwendung von Naturressourcen, Verschmutzung der Umwelt und Ausbeutung von billigen Arbeitskräften vorangetrieben.

So gibt es in China beispielsweise mehr als 4.000 LED-Birnenhersteller. Zuviel nicht nur für China, sondern womöglich für die gesamte Weltwirtschaft. Der Wohnungsmarkt, der vor Jahren eine der wichtigen treibenden Kräfte der Wirtschaft war, ist mehr als gesättigt. In dem bevölkerungsreichsten Land der Erde stehen nach Schätzung des staatlichen Stromnetz-Betreibers State Grid Corporation of China etwa 65 Mio. Neubauwohnungen leer. Die Regierung hat es als eines der wichtigen Ziele für die kommenden Jahre festgelegt, diesen Bestand und die Baukapazität zu reduzieren. Auch die strenger gewordene Kontrolle der umweltverschmutzenden Betriebe drosselt teilweise die Produktion.

Vor dem Hintergrund dieser Umstände ist nicht besonders verwunderlich, dass das Bruttoinlandsprodukt nicht mehr so wächst wie bislang. In 1970er Jahre hat der Club of Rome Zweifel an der Zielsetzung eines immerwährenden Wachstums geäußert. Daher sollte es aktuell auch nicht verwundern, dass die chinesische Führung nun mehr auf die Qualität des Wachstums als auf ein Wachstum um jeden Preis achten will. So können die Wachstumsanstrengung in der jetzigen Orientierungsphase viel Unruhe und Schwankungen in die Märkte bringen. Panik sollte nicht nur China, sondern der Rest der Welt vermeiden, wenn man sich auf die neue Normalität einstellen will. (hy)

Bild: Das traditionelle Geschäftsviertel in Schanghai (Quelle: hy)

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