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Mitarbeiterzufriedenheit in Change-Prozessen

28.04.2016 – Burnus_GothaerGesundheitliche Beschwerden bei den Mitarbeitern können die direkte Folge von Change-Prozessen sein, erklärt Marco Burnus, Geschäftsführer von Medi Expert, dem Gesundheitsdienstleister der Gothaer. Im Interview mit VWheute erläutert er, wie Restrukturierungsprozesse in der Versicherungsbranche sowohl ökonomische Wirkungen als auch Gesundheits-Aspekte im Auge behalten können.

VWheute: Wo sehen Sie von Ihrer Seite aus die speziellen Herausforderungen für das Gelingen von Change-Prozessen in der Versicherungsbranche?

Marco Burnus: Restrukturierungen bedeuten in der Regel eine zusätzliche Arbeitsverdichtung für die betroffenen Beschäftigten. Diese Mitarbeiter berichten von stärkerem Termin- und Leistungsdruck, werden häufiger bei der Arbeit gestört und unterbrochen und müssen öfters mehrere Arbeiten gleichzeitig betreuen. Change-Prozesse stellen somit eine Herausforderung an die Anpassungsfähigkeit und Flexibilität besonders der älteren Beschäftigten dar. Dies bildet die Ursache für erhöhten Stress, was längerfristig die Gesundheit der Beschäftigten beeinträchtigen kann.
Als Hindernis für ein erfolgreiches Veränderungsmanagement gelten auf Mitarbeiterebene fehlende Kontrolle über die Arbeit, fehlende Partizipation an Entscheidungsprozessen, zwischenmenschliche Konflikte, geringe soziale Unterstützung, intransparentes Management sowie Konflikte zwischen Anforderungen aus Arbeit und Familie. Da die Vermeidung von Change-Prozessen per se keine Option darstellt, besteht die Herausforderung darin, bei der Gestaltung von Restrukturierungsprozessen neben ökonomischen Wirkungen auch die individuellen, gesundheitlichen Auswirkungen auf die Mitarbeiter zu berücksichtigen.

VWheute: Welche konkreten Gefahren bestehen hier für die Mitarbeiter und das Management?

Marco Burnus: Die vom Mitarbeiter empfundenen zusätzlichen psychischen Belastungen können bedeutende schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit und Motivation der Betroffenen haben, wie diverse Studien belegen. So liegt der Prozentsatz der Beschäftigten, die in restrukturierten Unternehmen unter Nervosität und Reizbarkeit sowie allgemeiner Müdigkeit leiden im Vergleich zu nicht restrukturierten Unternehmen signifikant höher. Dies gilt auch für das Auftreten von Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Kopf- und Rückenschmerzen. Als Folge dieser zunehmenden gesundheitlichen Beschwerden kann es bei den Beschäftigten zu einem Rückgang von Arbeitszufriedenheit, Motivation und Produktivität sowie zu einer Zunahme von Absentismus, Präsentismus und Fluktuation kommen.

VWheute: Wie kann hier das Management aktiv und gesundheitsgerecht gestaltend wirken?

Marco Burnus: Wichtige Erfolgsfaktoren stellen zum einen die Analyse und das Verständnis von Situation und Umfeld im Vorfeld dar, um in Veränderungsprozessen Gesundheitsrisiken frühzeitig erkennen und verhindern zu können. So haben wir in einem in Restrukturierung befindenden operativen Bereich der Gothaer Krankenversicherung rechtzeitig ein ganzheitliches Change-Projekts initiiert als Konsequenz aus den Ergebnissen einer Mitarbeiterbefragung, die im Konzernvergleich Handlungsbedarf aufzeigte. In Mitarbeiter-Workshops und mittels eines Gesundheits-Check-ups am Arbeitsplatz gelang es uns anschließend diesen zu konkretisieren und auf dieser Grundlage die Projektziele abzuleiten.

Ein weiterer relevanter Erfolgsfaktor stellt die Sicherstellung von Mobilisierung und Commitment der am Prozess Beteiligten dar. Dies schließt glaubwürdiges Commitment der obersten Führungsriege zum Veränderungsprozess, die Einbeziehung der Mitarbeiter sowie die Förderung der Identifikation mit dem Veränderungsprozess bzw. dem Unternehmen mit ein. Bei der Gothaer wurde diesen Anforderungen sowohl durch die aktive Einbindung als auch die Qualifizierung des Managements zum Thema “gesunde Führung” Rechnung getragen. Die Einbeziehung der Mitarbeiter in den Prozess hatte verschiedene Facetten, von der Beteiligung an der Erarbeitung von Lösungsansätzen bis hin zum Empowerment durch umfassende Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, wie beispielsweise individuelle Stress-Coachings.

Während des Prozesses gilt es durch Evaluation und Monitoring Risiken erkennen und verhindern, Ergebnisse nachhalten sowie Erfolge identifizieren und verankern zu können. Zu diesem Zweck wurden bei der Gothaer alle Teilprojekte konsequent evaluiert und nachgehalten. Zudem diente ein auf wissenschaftlicher Grundlage neu entwickeltes Kennzahlensystem, in Form einer Gesundheits-Scorecard, der Qualitätssicherung und Dokumentation der Projektergebnisse. Auf diese Weise konnten Projekterfolge, wie eine deutliche Verbesserung von Arbeitssituation und Mitarbeiterzufriedenheit, identifiziert werden.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Marco Burnus, Geschäftsführer von Medi expert, dem Gesundheitsdienstleister der Gothaer, spricht heute beim 1. Gesundheitsforum des AGV. (Quelle: Gothaer)

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