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Mindestgarantien im Niedrigzinsumfeld

19.11.2014 – peter_hieber_150Beitrag von Peter Hieber, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Versicherungswissenschaften der Universität Ulm.

Bis 2003 konnten Altersvorsorgeverträge mit Garantiezinsen von 3,25 Prozent und mehr abgeschlossen werden. In der aktuellen Niedrigzinsphase stellt sich heraus, dass der Wert dieser Garantien unterschätzt wurde und Versicherer nun vor der Herausforderung stehen, Überschüsse fair zwischen Altverträgen und Neugeschäft zu verteilen.

Eine gemeinsame Studie („Analyzing the effect of low interest rates on the surplus participation of life insurance policies with different annual interest rate guarantee“) mit Ralf Korn (TU Kaiserslautern) und Matthias Scherer (TU München) soll die Risikoteilung zwischen Verträgen mit unterschiedlichen Garantiezinsen genauer zu untersuchen. Faire Verteilungsregeln für die Überschussverteilung oder die Beteiligung an den Bewertungsreserven waren vor allem in letzter Zeit Grundlage kontroverser Diskussionen in der deutschen Versicherungsbranche. Die Ansätze in der Studie erlauben es, verschiedene Verteilungsregelungen zu vergleichen und deren Auswirkungen auf die Profitabilität einzelner Altersvorsorgeverträge besser zu verstehen.

Die Basis der Studie bildet ein Finanzmarktmodell zur Modellierung der Entwicklung des Sicherungsvermögens eines fiktiven Lebensversicherers. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei ein stochastisches Zinsmodell, bei dem auch länger anhaltende Niedrigzinsphasen nicht unwahrscheinlich sind. Bleiben die (vor allem langfristigen) Zinsen längere Zeit auf niedrigem Niveau, so kann dies zu einer sehr ungleichen Verteilung der erwirtschafteten Zinserträge auf die einzelnen Verträge führen. In diesen Phasen müssen Verträge mit einer geringen Garantieverzinsung die hohen Garantieversprechen der anderen Verträge teilweise mitfinanzieren.

Betrachtet wird ein fiktives Versicherungsportfolio über einen Zeitraum von 30 Jahren. Der Fokus der Studie liegt dabei explizit auf Kapitalmarktrisiken – der Einfluss biometrischer Risiken oder Kostenrisiken wird bewusst vernachlässigt. Definiert man eine Verteilungsregel der erwirtschafteten Erträge des Sicherungsvermögens, so erhält man Zahlungsströme an jeden Vertrag des Versicherungsportfolios. Aus diesen Zahlungsströmen kann man sowohl für das Gesamtportfolio als auch für jeden einzelnen Vertrag eine Verteilung der Effektivverzinsung simulieren. Im fiktiven Versicherungsportfolio lässt sich erkennen, dass die Unterschiede in der Effektivverzinsung teilweise sehr deutlich ausfallen können – vor allem beeinflusst durch das angenommene zukünftige Zinsniveau. Plausibel ist, dass Verträge mit geringer Garantieverzinsung im Mittel eine geringere Effektivverzinsung aufweisen als das Gesamtportfolio.

Gleichzeitig aber – und vielleicht weniger offensichtlich – schwankt diese Effektivverzinsung stärker als die von Verträgen mit höherer Garantieverzinsung. In Jahren niedriger Erträge können letztere immer noch auf ihre vertraglich zugesicherte Garantieverzinsung von über drei Prozent bauen – teilweise auf Kosten der Verträge mit einer niedrigen Garantieverzinsung. Durch Änderungen in der Verteilungsregelung der erwirtschafteten Erträge kann der Versicherer diese Ungleichbehandlung beeinflussen: Eine Glättung der ausgeschütteten Erträge über Reserven beeinflusst die Rendite- und Risikoteilung im Versicherungsportfolio.

Bild: Peter Hieber. (Quelle: Peter Hieber)

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