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Allianz-Expertin zur Altersvorsorge: Deutschland hängt zurück

30.09.2014 – miksa-150Zweiter Tag der 10th Asia Conference on Pensions & Retirement Planning die heute in Kuala Lumpur (Malaysia) zu Ende geht. “Strategien, Herausforderungen, Möglichkeiten und Lösungen der Ruhestandsplanung mit Blick auf die Lebenserwartung und Profitabilität steht bei der international hochkarätig besetzten Veranstaltung auf dem Programm. Für VWheute hat Brigitte Miksa,  Altersvorsorge-Expertin der Allianz Tochter Allianz Asset Management und Teilnehmerin des Kongresses, im Interview einen Blick über die Grenzen geworfen und Handlungsmöglichkeiten für Deutschland skizziert.

VWheute: Zum Thema Altersvorsorge international – wo läuft es am besten?

Miksa: Unter dem Gesichtspunkt der finanziellen Nachhaltigkeit ist Australien das Land, wo es am besten läuft. Australien ist der Spitzenreiter des 2014 „Allianz Pension Sustainability Index“ (PSI), ein Index der den gegenwärtigen Stand und die zukünftige Entwicklung der gesetzlichen Rentensysteme von Staaten weltweit analysiert. Auch Schweden, Neuseeland und Norwegen sind Länder, in denen das Rentensystem langfristig tragfähig ist, und die deswegen ganz oben im PSI-Länder-Ranking stehen. Jedoch gibt es ein „Aber“. Finanzielle Nachhaltigkeit bedeutet nicht zwangsläufig, dass das System den Rentnern ein angemessenes Alterseinkommen bieten wird. Der Spagat zwischen Tragfähigkeit und Angemessenheit ist tatsächlich schwierig zu meistern.

Was kann sich Deutschland von wo absehen?

Eine gelungene Mischung aus mehreren Säulen – also eine umlage- oder steuerfinanzierte Grundsicherung durch den Staat ergänzt durch arbeitsbezogene und private kapitalgedeckte Systeme – ist der Erfolgsfaktor in mehreren Ländern: Gerade in Schweden, Dänemark oder Norwegen bauen die einzelnen Teile gut aufeinander auf und bieten damit die Voraussetzung, auch angemessene Alterseinkommen zu erreichen. Ein anderer wichtiger Aspekt ist die steigende Lebenserwartung im Rentensystem angemessen zu berücksichtigen. Deutschland ist mit der Anhebung des Renteneintrittsalters und dem Nachhaltigkeitsfaktor auf dem richtigen Weg, sollte allerdings auch nicht davon abweichen. Einige Länder gehen aber auch hier einen Schritt weiter und verknüpfen das Renteneintrittsalter direkt mit der steigenden Lebenserwartung, wie z.B. Italien, Spanien oder Griechenland.

Wie könnte das Altersvorsorge-System in Deutschland konkret besser gestaltet werden?

Nachbesserungsbedarf gibt es vor allem beim Bemühen ein angemessenes Alterseinkommen für Rentner zu erreichen, wie man in unserer neuen Studie zum Thema lesen kann. Vor allem Personen, die kurze oder unterbrochene Arbeitszeiten vorweisen, sind hier gefährdet. Entsprechend sollten künftige Reformen auf diese Gruppen abzielen. Was private Altersvorsorgepläne betrifft, so sollte man nicht nur auf die Beteiligungsraten schauen, sondern künftig auch Maßnahmen ergreifen, die Beitragsvolumina zu erhöhen. Auch die Verbreitung der betrieblichen Altersvorsorge vor allem in kleineren und mittleren Unternehmen müsste gestärkt werden. Das wären hilfreiche Schritte auf dem Weg zu angemessenen Alterseinkommen für eine Vielzahl künftiger Rentner. Nicht zuletzt hilft ein längeres Arbeitsleben, ein angemessenes Alterseinkommen zu erreichen. Bisher gibt es noch immer Anreize, früher auszuscheiden. Diese Anreize sollten abgebaut werden. Dazu gehört u.a. die Festsetzung versicherungsmathematisch fairer Abschläge im Fall einer Frühverrentung.

Das Interview führte VWheute-Redakteur Alexander Kaspar.

Bild: Brigitte Miksa,  Altersvorsorge-Expertin der Allianz Tochter Allianz Asset Management. (Quelle: Allianz)

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