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Mehr Gerechtigkeit durch gleiche Vergütung?

28.11.2013 – OLYMPUS DIGITAL CAMERATragen einheitliche Vergütungsstrukturen im Gesundheitssystem zu mehr Gerechtigkeit bei? Drei Experten diskutierten dazu in Berlin während einer Fachkonferenz.

Beide Vergütungssysteme im deutschen Gesundheitssystem – weder der „Einheitliche Bewertungsmaßstab“ (EBM) der gesetzlichen Kassen, noch die „Gebührenordnung für Ärzte“ (GOÄ) des Privatsystems – sind aus Sicht von Klaus Reinhardt, Vorsitzender des Ärzteverbandes Hartmannbund, gerecht. Ärzte sollten sich den Patienten, die erhöhten medizinischen Aufwand benötigen, auch mehr widmen können als anderen und dies adäquat bezahlt bekommen. Das aber finde nicht statt. Insofern gebe es keine Ungerechtigkeit im Gesundheitssystem.

Auch Timm Genett, Geschäftsführer des PKV-Verbandes, sieht Probleme bei beiden Abrechnungssystemen und plädiert für einen Näherungsprozess. Einen einheitlichen Krankenversicherungsmarkt nach den Spielregeln der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) indes lehnt er ab: Das würde das Ende der PKV und letztendlich Bürgerversicherung bedeuten. Das gegenwärtige duale Gesundheitssystems hingegen garantiere, dass es in Deutschland keine Zwei-Klassen-Medizin gebe. „Es gibt parallele Versorgungsstrukturen, Patienten beider Systeme sitzen im gleichen Wartezimmer, die Unterschiede in der Behandlung sind “marginal“, machte er auf die Vorteile des deutschen Systems im Unterschied zu Bürgersicherungen in anderen Ländern deutlich. Dort entstünde parallel zum staatlichen System ein Selbstzahlermarkt, der nicht kontrolliert werden könne und intransparent sei. Auch Dank der PKV gebe es dies in Deutschland nicht.

Jürgen Graalmann, Vorstandsvorsitzender des AOK Bundesverbandes, präferiert eine gemeinsame Vergütungsverordnung von GKV und PKV für das medizinisch Notwendige. Auch er hält den EBM für zu kompliziert, die GOÄ für ungeeignet. Im übrigen werde sein Wunsch nach einem integrierten Versicherungsmarkt immer gleichgesetzt mit „einheitlich“. Das sei aber nicht richtig, er sei ein Freund von Wettbewerb – wenn er versorgungsorientiert ist. Es müsse nicht unbedingt 130 Krankenkassen geben, 50 würden genügen. „Aber in der PKV gibt es überhaupt keinen Wettbewerb“, behauptete er. „Zeigen Sie mir ein Unternehmen, aus dem man im Prinzip nicht wieder herauskommt.“ So lange es keine Portabilität der Alterungsrückstellungen gebe, können Kunden auch nicht ungestraft zu anderen Versicherern wechseln. Auch Reinhardt meinte, mehr Wechselfähigkeit täte dem System gut.

Auf die Gebührenordnung eingehend, zeigte sich AOK-Chef Graalmann überzeugt, dass eine gemeinsame Selbstverwaltung beiden Systemen gut tun würde, um Einfluss auf Preis, Menge und Qualität der medizinischen Versorgung zu nehmen. Die Herausforderungen sind die gleichen und zusammen hätte man die Kraft, eine neue Gebührenordnung zu entwickeln. „Wenn wir das selbst nicht hinkriegen, nimmt der Staat Einfluss darauf“, warnte er. Er ist sicher, dass sich in der kommenden Legislaturperiode eine Reihe von Schnittstellen zwischen GKV und PKV ergeben werde – auch wenn der Koalitionsvertrag das Wort PKV nicht einmal erwähnt. (epo)

Foto: Rege Diskussion auf der Fachkonferenz. (Quelle: epo)

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