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LVRG wird für Versicherungsombudsmann zur Nagelprobe

22.05.2015 – guenter_hirsch_brsDer Beschwerdeeingang beim Versicherungsombudsmann hat bereinigt um zahlreiche Irrläufer im Jahr 2014 auf dem hohen Niveau des Vorjahres verharrt, wobei sich allerdings in den einzelnen Versicherungssparten deutliche Verschiebungen ergaben. Über Lebensversicherer beschwerten sich die Kunden weniger als im Vorjahr.

Trotz des LVRGs und der Kürzungen bei Lebensversicherungs-Altkunden sank der Anteil der Lebensversicherung an den zulässigen Unternehmensbeschwerden von 34,2 auf 29,1 Prozent. “Die Lebensversicherung hat auch 2014 eine erhebliche Rolle gespielt”, sagte Ombudsmann Günter Hirsch. Die juristischen Herausforderungen hätten durch neues Richterrecht und das seit August 2014 wirksam gewordene Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) an Gewicht gewonnen. Es habe bereits im Zusammenhang mit dem LVRG eine Fülle an Beschwerden gegeben, erklärte Hirsch. Aufgrund der medialen Berichterstattung hätten viele Versicherungskunden ein allgemeines Informationsbedürfnis.

Die Auswirkungen des LVRG, in dessen Mittelpunkt die Neuregelung der Beteiligung an den Bewertungsreserven an festverzinslichen Wertpapieren für ausscheidende Versicherungsnehmer steht, dürften aber erst im Laufe dieses Jahres deutlich werden. In Indiz mag sein, dass die Zahl der eingegangenen Beschwerden beim Versicherungsombudsmann im ersten Quartal auf 7.167 (Vorjahr: 4.709) in die Höhe geschossen ist.

Selbst wenn man die rund 1.000 Irrläufer aus dem Bankenbereich, die bereits Ende 2014 für ein Anschwellen des Beschwerdeeingangs ausgelöst hatten, herausrechnet, zeigt sich noch ein Plus von gut 30 Prozent. Der Gesetzgeber hatte zugunsten der Lebensversicherer eingegriffen, damit die hohen, zu Lasten der Risikotragfähigkeit gehenden Abflüsse von Buchgewinnen auf festverzinsliche Wertpapiere deutlich reduziert werden. Dieser komplexe Regelungsmechanismus dürfte erst in diesem Jahr greifen (siehe DOSSIER).

Der Präsident des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland, zeigte sich mit der Arbeit des Versicherungsombudsmanns außerordentlich zufrieden, zumal knapp 13.000 zulässige Beschwerden in Relation zu 400 Millionen Versicherungsverträgen gesehen werden müssten. Dies lässt sich nicht einmal im Promille-Bereich ausdrücken. Und die Beschwerden gegenüber Versicherungsvermittlern waren nochmals rückläufig: Von 354 Eingaben waren nur 85 Vermittlerbeschwerden zulässig und das bei 238.000 registrierten Vermittler. Die wenigen Vermittlerbeschwerden zeigen, so Erdland, dass Vermittler “ganz überwiegend hervorragende Arbeit leisten”.

Der deutsche Gesetzgeber steht unter Druck, bis zum Sommer die europäischen Vorgaben für ein Verbraucherstreitbeilegungsgesetz umzusetzen. Damit soll ein lückenloses und flächendeckendes Netz an Schlichtungsstellen geschaffen werden. Wichtig wäre eine Online-Plattform aufzubauen, die Beschwerden von Verbrauchern an die richtige Stelle weiter leite, sagte Hirsch.

Damit hätten die vielen Irrläufer aus dem Bankenbereich, die den Versicherungsombudsmann erreicht hätten, vermieden werden können. Und mit einer solchen Plattform könnte zugleich erreicht werden, dass mit Beschwerdeeingang ein möglicher Fristablauf unterbunden wird. (brs)

Bild: Versicherungsombudsmann Günter Hirsch (Quelle: Manfred Brüss)

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