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Lloyd’s: Ergebnisse von Ratenerosion gezeichnet

24.03.2016 – Inga Beale_LloydsIm Bericht zum Geschäftsjahr 2015 beklagt Lloyd’s den allzu starken Wettbewerb und die daraus folgende Ratenerosion, insbesondere im Bereich der Rückversicherung, wo Substitution durch alternativen Risikotransfer droht, aber auch was Luftfahrt, Energy und Property betrifft. Das gemessene Schein-Wachstum in Pfund bei der gezeichneten Bruttoprämie von sechs Prozent war in erheblichem Maß durch die Abschwächung des Pfund-Dollar-Wechselkurses beeinflusst.

Die sich noch sehr auskömmlich präsentierende Combined Ratio erklärt sich wie folgt:

  • Erneut ungewöhnlich wenigen Schäden aufgrund von Naturkatastrophen, insbesondere US-Hurricanes. Solche kosteten den Markt weniger als 100 Mio. Pfund. Der Tianjin Schaden hatte hauptsächlich den Marine Account belastet.
  • Das noch besser als 2014 ausgefallene Abwicklungsergebnis der Vorjahre von 5,5 Prozent, ohne welches die Combined Ratio um 7,9 Prozent höher gelegen hätte. Schon seit Jahren stellt sich die Frage, ob auch die jüngeren Anfalljahre noch so üppig reserviert sein mögen, dass mit nachhaltigen Abwicklungsergebnissen in dieser Größenordnung zu rechnen ist.

Lloyd’s selbst schreibt, die Abwicklungsgewinne stammen größtenteils aus Anfalljahren vor 2012, hinsichtlich der späteren gäbe es bereits Zweifel gegenüber der Reservierungsadäquanz. Der Einfluss der Abwicklungsgewinne auf die Combined Ratio des Kalenderjahres reicht von 4,0 Prozent in Property über 9,6 Prozent in Reinsurance bis zu 21,3 Prozent in Energy.

Die ungeschönte Combined Ratio betrug 2015 bereits 94,4 Prozent – ohne einen kalkulatorischen Zuschlag für ausgebliebene Großschäden. Dies begründet den Verdacht, dass das derzeit in die Bücher genommene Geschäft insgesamt untertarifiert sein dürfte und mit Sicherheit nicht mehr für eine adäquate Kapitalverzinsung ausreicht. Combined Ratios über 100 Prozent wiesen die Sparten Casualty (100,1 Prozent), Motor (102 Prozent) und Life (104,4 Prozent) auf.

Die Kapitalanlagerendite von lediglich 0,7 Prozent in 2015 bedeutet, dass diese Sparten auch unter Zurechnung von Investmentergebnissen auf die beträchtlichen technischen Rückstellungen einen leichten Verlust erwirtschafteten und keinerlei Verzinsung des Risikokapitals ermöglichten.

Die ausgewiesene Eigenkapitalrentabilität errechnet sich auf der Basis des erforderlichen Solvabilitätskapitals, wobei die von den Names bereitgestellten Mittel mit lediglich 0,5 Prozent verzinst wurden. Enthalten sind aber auch die Zuführungen zum Central Fund sowie dessen Verzinsung.

Lloyd’s unterstreicht, das gruppeninterne Modell in Sachen Solvency II sei mittlerweile durch die Aufsichtsbehörde PRU genehmigt. Wer mit offizieller Billigung mit weniger Eigenkapital auskommt, kann etwas härter am Wind segeln und dadurch eine höhere Eigenkapitalrendite erwirtschaften. Angesichts der offensichtlich eingetrübten Aussichten für die nächsten Jahre des Zyklus dürfte der Wert der Syndikatsbeteiligungen eher fallen.

Gleichzeitig entwirft der Versicherungsmarkt bereits Notfallpläne für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU). “Etwa 90 Prozent unseres Geschäfts und Kapitals kommt von außerhalb Großbritanniens. Wir werden an Attraktivität als Markt, in dem man investiert, einbüßen, wenn das Land nicht mehr Teil der EU ist”, sagte Verwaltungsratschef John Nelson laut Handelsblatt.

Um zumindest einige mögliche Nachteile auffangen zu können, soll demnach das Netz an Büros auf dem europäischen Kontinent umstrukturiert werden. “Die Büros haben derzeit vor allem repräsentative Aufgaben, sie werden dann auch andere Aufgaben übernehmen müssen. Die ganze Sache wird dadurch bei weitem nicht so effizient sein wie jetzt”, kündigte Watson an. (vwh/td/cpt)

Bild: Lloyd’s Chefin Inga Beale. (Quelle: Lloyd’s)

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