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Kunst-Fond unter Verdacht: Provenienz-Risiken und Geldwäsche?

21.11.2014 – Kunst-FondDer seit Jahren etablierte Fonds Aristophil, der in Paris ansässig war und sich auf historische Manuskripte spezialisiert hatte, steht im Verdacht, die 16.000 Anleger inklusive ihrer 500 Mio. Euro betrogen zu haben. Stimmen werden laut, die generell Reputationsrisiken und Vertrauensschäden bei sogenannten Art-Fonds pflichtversichert sehen wollen.

Seit mehreren Jahren ermittelt die französische Justiz gegen den charismatischen Firmengründer Gérard Lhéritier. Seine Karriere hat er als Versicherungsagent begonnen.
Jüngst war es zu Hausdurchsuchungen gekommen. Die Website des Art-Fonds Aristophil ist suspendiert.

Zu den offenbar geprellten Investoren soll mit Dominic de Villepin gar der ehemalige französische Premier gehören. Die jährliche Rendite von acht Prozent soll, so der zentrale Verdacht, mit unlauteren Mitteln erwirtschaftet worden sein:

So sollen die ordentlichen Preisanstiege dadurch zustande gekommen sein, indem Aristophil selbst jährlich frische 100 Mio. eingesetzt hat. Auch die Kaufpreise der für das fondseigene Musée des Lettres et Manuscrits angeschafften Dokumente sollen mitunter manipuliert gewesen sein. Die Kooperation mit den stets gleichen Händlern wirft diesen Verdacht auf. Tatsächlich bestehen gar Zweifel, ob überhaupt noch alle ausgewiesenen Dokumente vorhanden sind. Herkunftsfragen sind zudem ungeklärt. Es laufen Restitutionsklagen des französischen Staats hinsichtlich von Telegrammen, die de Gaulle aus dem Londoner Exil verfasste. Ein weiterer Vorwurf: Geldwäsche und Beihilfe zur Steuerhinterziehung.

Gewisse Parallelen zum Fall des Düsseldorfer Beraters Helge Achenbach fallen auf. Derzeit läuft eine Zivilklage über 19 Mio. EUR an angeblich überhöhtem Vermittlungshonorar. Ein weiterer spektakulärer Fall betrifft Nobles crus, ein in Luxembourg ansässiger Spezialfonds für Weine, der durch die Regulierungsbehörde CSSF temporär wegen Unregelmäßigkeiten bei der Bewertung seines einst 109 Mio. EUR Bestands und beim Ankauf suspendiert wurde.

Stimmen werden nun laut nach einer drastisch verbesserten Corporate Covernance von Fonds. Hier könnten Audits, unabhängige Verwaltungsräte, objektive Expertisen, nicht manipulierte Indices, separate Lagerstellen Abhilfe schaffen.

Auch eine Vertrauensschadenversicherung zugunsten der Fondszeichner, was Manipulationen durch die Fonds-Insider angeht, könnte hier Abhilfe leisten. Die Versicherung von Provenienzrisiken um mögliche Restitutionsklagen auszuschließen oder in einem solchen Fall Ersatz zu erhalten, gehört in anderen Kunstsparten zum Standard. Die der Policierung vorangehende Due Diligence hinsichtlich des Erwerbsvorgangs sowie der Vorbesitzer wäre wohl auch geeignet Manipulationen durch die Fonds-Verwalter zu erschweren. (cpt)

Bild: Aristophil-Gründer Gérard Lhéritier (Quelle: Aristophil)

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