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Kfz-Versicherung: Streit um Erfolgsaussichten von Telematik-Tarifen

02.10.2015 – per-johan_horgby_uskUnter den Experten für die Kfz-Versicherung gibt es Streit darüber, ob sich Telematik-Tarife, die die Prämie nach dem individuellen Fahrstil berechnen, lohnen können. So vertrat Marco Morawetz von der Gen Re auf der Konferenz BF21 “Telematik” in Köln die These, dass es bisher noch keinen kalkulierten Produktansatz im Markt gebe. “Bisher machen alle Anbieter von Telematik-Tarife nur Feldstudien.”

Demgegenüber behauptet die VHV aus Hannover, dass der neue Tarif Telematik-Garant, der ab sofort für alle Autofahrer in Deutschland über Versicherungsmakler erhältlich ist, versicherungsmathematisch abgesichert ist. Entwickelt hat den VHV-Tarif Wiltrud Weidner, Aktuarin, vom Institut für Versicherungsbetriebslehre der Universität Hannover und seit 2013 Mitarbeiterin der Assekuranz aus Hannover. “Wenn die Datenerhebung wesentliche Informationen extrahiert, kann das volle Differenzierungspotential erschlossen werden”, so Weidner.

Der VHV-Telematik-Tarif basiert auf Fahrstil-Typen. So gibt es den “aggressiven”, “sportlichen”, “unaufmerksamen”, “vorausschauenden” oder “übervorsichtigen” Fahrer. Gleichzeitig wird analysiert in welcher Situation bestimmte Fahrmanöver passieren. “Scharfes Beschleunigen beim Überholen ist sinnvoll und langsame Fahrt bei schlechtem Wetter ebenfalls”, erklärt Weidner.

Nach ihrer Analyse könnte Autofahrern mit sehr sicherem Fahrstil gegenüber der Normalprämie ein Rabatt von bis zu 15 Prozent gewährt werden. Die Mathematikerin hat sich dabei auf Marktdaten gestützt. Einzelne Versicherer können mehr oder weniger Nachlass geben. Weitere fünf Prozent Nachlass sind möglich, wenn Autofahrer überwiegend tagsüber und auf sicheren Straßen, also vor allem auf der Autobahn unterwegs sind.

Der neue VHV-Telematik-Tarif sieht hingegen einen möglichen Nachlass von bis zu 30 Prozent vor. Beim Axa-Telematik-Angebot für junge Fahrer bis 26 Jahre ab Herbst 2015 ist ein Nachlass von 15 Prozent vorgesehen, während die Signal Iduna im Telematik-Tarif Sijox jungen Fahrern schon heute einen Nachlass von bis zu 40 Prozent verspricht. Entscheidend für den echten Rabatt ist natürlich das Prämienniveau des Versicherers Trotzdem dürften sich Telematik-Tarife für die meisten Autofahrer nicht lohnen, wie die Gen Re feststellt.

Grund ist sind große Preisdifferenzen am Markt. So kann ein Tarif mit Telematik-Nachlass deutlich teurer sein, als der Normaltarif eines günstigen Anbieters. “Wir haben eine extreme Vision und das erste Telematik-Versicherungsprodukt”, verteidigte VHV-Vorstand Per-Johan Horgby sein Angebot, für das die Assekuranz 10.000 Telematik-Boxen vorhält. Mit dem Tarife wolle man zudem Allianz und anderen Versicherer unruhig machen. Der Münchener Versicherer und sein großer Konkurrent Huk-Coburg wollen 2016 einen Telematik-Tarif auf den Markt bringen (siehe DOSSIER). (usk)

Bild: Per-Johan Horgby glaubt an den Erfolg seines neuen Telematik-Tarifs. (Quelle: usk)

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