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Kfz-Versicherer: Viele potentielle Telematik-Kunden

23.10.2014 – Telematik_helensouza_pixelio.deBis zu 15 Prozent der privaten Autofahrer könnten künftig einen Pay-as-you-drive-Tarif (PAYD) von ihrem Versicherer angeboten bekommen. Der Kampf um die Schadensteuerung wird aber die Telematik-Diskussion zwischen Herstellern und Versicherern überlagern. Zu diesem Schluss kommt eine Expertendiskussion auf dem MCC- Fachforum „Telematik & Fahrerassistenzsysteme“ in Köln.

Nach einer aktuellen Umfrage der Gen Re, halten 53 Prozent der befragten Kfz-Versicherer PAYD-Tarife für ausgewählte Kundengruppen für „sehr attraktiv“. Doch noch sind echte Telematik-Tarife im Versicherungsgeschäft Zukunftsmusik. „Das gilt auch für das Pilotprojekt der Sparkassenversicherung Direkt“, sagte Marco Morawetz, Leiter Gen Re Consulting. Hier wird lediglich ein pauschaler Rabatt von fünf Prozent gewährt. Bei echten PAYD-Tarifen werde hingegen individuell nach Fahrstil tarifiert.

Dies ist aber mit Fahrtenschreibern, sogenannten Black-Boxen, kaum möglich. Dies ergab ein Test der R+V Versicherung mit 1.500 Testfahrzeugen. „Wir haben festgestellt, dass unterschiedliche Geräte zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen“, sagte Edgar Martin, Mitglied des Vorstandes der Kravag, die zum R+V Konzern gehört. Nachrüstlösungen seien daher für die Risikokalkulation im Privatkundensegment ungeeignet. Erfolgreich dürften PAYD-Tarife wohl nur dann sein, wenn sie aus den aus dem Fahrzeug selbst gewonnen Daten aufgebaut werden.

Die Auswertung solcher Fahrzeugdaten über eine direkte Schnittstelle zum Fahrzeug will künftig Telefònica Germany den Versicherern in Deutschland anbieten. Der spanische Kommunikationsanbieter hat über seine Tochter O2 die App „Car Connection“ entwickelt. Die App bietet neben einem digitalen Fahrtenbuch, einem Fahrzeugfinder und einer Fahrzeugdiagnose eine umfassende Fahrstilanalyse. Diese Daten will O2 künftig deutschen Kfz-Versicherer anbieten, damit sie den Kunden ein günstigeres Versicherungsangebot machen können.

Die offene Plattform könne von jedem Versicherer genutzt werden. Ob sich das System durchsetzt, ist aber zweifelhaft. Denn im ersten Jahr kostet das Angebot rund 150 Euro, im zweiten Jahr liegen die Kosten bei 60 Euro. Ob solche Kosten über einen Rabatt bei der Kfz-Versicherung kompensiert werden können, wird von Experten bezweifelt. Nach Einschätzung von Gen Re-Experte Morawetz sei es für die Versicherer viel sinnvoller, schon vorhandene Unternehmens- und Drittdaten in die Kfz-Tarifierung einzubeziehen. Er verwies auf die Schufa, Schwacke oder das Kraftfahrtbundesamt. „Schon das Leistungsgewicht eines PKWs sagt etwas über seine Beschleunigungsmöglichkeit aus“, so Morawetz. Möglich sei es auch, den Arbeitsplatz und die fünf häufigsten Ziele des Kunden zu erfragen und damit die Tarifierung zu schärfen.

Demgegenüber erläuterte Hans-Peter Wandt, Toyota Insurance Management, das Autohersteller PAYD-Tarife künftig vor allem als Kundenbindungsinstrumente einsetzen könnten. „Wenn eines unserer Fahrzeuge in der Versicherung sehr hoch eingestuft ist, wollen die Kunden natürlich einen Superspartarif“, so Wandt. Damit dann keine Verluste entstehen, könnten PAYD-Tarife als Ventillösung fungieren. Nach Einschätzung der Expertenrunde wird aber der Kampf um die Schadensteuerung zwischen Versicherer und Hersteller die Diskussion um Telematik-Tarife deutlich überlagern. Die markengebunden Autohäuser könnten nur noch Geld verdienen, wenn sie die Fahrzeuge nach Schäden in die eigenen Werkstätten steuerten. Versicherungsangebote der Hersteller zur Kundenbindung würden daher für die Hersteller existenziell wichtig. Das dürfte zu einer Verschiebung im Kfz-Versicherungsmarkt führen. Kfz-Versicherer, die hier besonders aktiv sind, wie beispielsweise die Allianz, dürften deutliche Marktgewinne erzielen. (usk)

Bildquelle: Helensouza/ pixelio

Link: Telematik-Tarife nur ein “Gimmick”? (Tagesreport, 22.10.2014)

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