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Keine Hilfe für die Ärmsten

18.11.2013 – Kann die deutsche Lebensversicherung die drohende Altersarmut in Deutschland abwenden? Darüber diskutierten am Donnerstagabend in Berlin Branchenkenner und Wissenschaftler.

So einfach wie diese Frage klingt, so schwer ist sie zu beantworten. So etwa könnte das Fazit der 22. Öffentlichen Veranstaltung des Berliner Vereins zur Förderung der Versicherungswissenschaft am 14. November formuliert werden. Denn obwohl die Lebensversicherer sowohl die langlaufenden Produkte mit lebenslanger Rentenzahlung als auch die nötige demografische Kompetenz hätten, behindere neben anderen ein wesentlicher Umstand die erforderliche Kapitalbildung, wie Johannes Lörper, Vorstand der Ergo Versicherungen, bemerkte: „Wer Kapital fürs Alter bilden will, muss Kapital anlegen. Aber gerade daran mangelt es der großen Gruppe von Menschen, die später am meisten von Altersarmut betroffen sind, nämlich den Geringverdienern.“ Wer mit unter 10.000 Euro Jahreseinkommen auskommen müsse, der lege definitiv nichts zurück, schon gar nicht fürs Alter. Für diese Menschen könne die Lebensversicherung definitiv nichts tun bzw. nur mit staatlicher Hilfe. „Aus eigener Kraft können wir die Ärmsten nicht vor Altersarmut bewahren“, fasste er zusammen.

Dazu komme, ergänzte Helmut Gründl, Professor an der Universität Frankfurt am Main, dass die derzeitige Niedrigzinspolitik die Förderung der kapitalgedeckten Altersvorsorge geradezu konterkariere. Sie schade Sparern und entmutige diejenigen, die vorsorgen wollen. „Die Eurorettung ist alle Anstrengungen wert, aber nicht überproportional zu Lasten der kleinen Sparer“, kritisierte er. Dennoch kann die Lebensversicherung die Altersarmut mildern. Dafür müsse es aber dringend Änderungen zum Beispiel bei der „aberwitzigen“ Behandlung von Bewertungsreserven geben. Sie dürfen jetzt nicht an zufällig auslaufende Verträge ausgezahlt werden, zumindest nicht die auf festverzinsliche Anlagen. Ob man zumindest zeitweilig von der Praxis der Überschussbeteiligung abrücke, können nicht die Unternehmen entscheiden. Das müsse im Zweifel die Politik festlegen. Garantien seien wichtig, dürfen aber nicht dazu führen, dass das Kapital für die langfristige Anlage vor allem in Aktien fehlt, die eine höhere Rendite versprechen. „Weniger Garantien sind mehr“, behauptet er. Damit Sparer nicht regelmäßig Verträge vor Ablauf auflösen, schlägt er vor, Garantien erst zum Ablaufzeitpunkt zu gewähren. Das würde zum Durchhalten animieren und die Situation insgesamt entspannen. (epo)

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