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Jobabbau durch Bürgerversicherung?

18.11.2016 – Krankenversichertenkarte_Arztpraxis - Quelle DAKDie Einführung einer gesetzlichen Bürgerversicherung könnte zu einem drastischen Stellenabbau bei den privaten Krankenversicherern (PKV) führen. So kommt eine Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zu dem Ergebnis, dass je nach Ausstiegsszenario zwischen 22.700 und 51.000 Arbeitsplätze in der PKV wegfallen würden. Dabei gehen die Studienautoren von etwa 68.000 Beschäftigten bei den privaten Krankenversicherern aus.

Die Stiftung betonte hingegen, dass es unterschiedliche Ansätze für die Einführung einer Bürgerversicherung gebe. Die Studie selbst zeige beispielhaft vier mögliche Szenarien auf. Zudem betonte Stiftungssprecher Rainer Jung auf Anfrage von VWheute, dass “der Strukturwandel im Bereich der Krankenversicherung bereits voll im Gang ist”. Demnach seien 2014 und 2015 erstmals mehr Menschen von der PKV in die GKV gewechselt als umgekehrt. Dies habe “bereits Auswirkungen auf die Beschäftigung in der PKV”.

Wenn eine Transformation Richtung Bürgerversicherung den Strukturwandel beschleunigt, muss dieser Umstieg vom jetzigen zweigeteilten KV-System politisch gestaltet werden, ergänzt Jung. “Dabei ist an arbeitsmarkt- und qualifizierungspolitische Instrumente für die Beschäftigten der Versicherungsbranche oder Zwischenstufen der politischen Regulierung des Krankenversicherungssystems zu denken”, betonen die Studienautoren.

Gleichzeitig weist die Stiftung daraufhin, dass die Studie auch Befunde anderer Untersuchungen aufweise, wonach in einem integrierten KV-System Spielraum für Beitragssatzsenkungen für alle Versicherten bestehen dürfte. Das hätte positive gesamtwirtschaftliche Folgen, auch für die Beschäftigung, so der Stiftungssprecher.

“Die sogenannte Bürgerversicherung würde nicht nur zehntau­sende Arbeitsplätze zerstören, sondern vor allem auch die medizinische Versorgung massiv verschlechtern. Deutschland hat andere Sorgen, als unser gut funktionierendes Gesundheitssystem in Frage zu stellen. Mit dessen Leistungen sind die Bürger heute so zufrieden wie seit langem nicht mehr”, kommentiert Volker Leienbach, Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung (PKV), die Studienergebnisse.

Zudem würden Einheitssysteme im Vergleich mit unserem dualen System viel schlechter abschneiden, betont der PKV-Verband, nämlich mit Wartezeiten bis zu sechs Monaten auf Arzt- und Operations­termine, mit eingeschränktem Zugang zu Ärzten und mit deutlich weniger Leistungen. Daher gebe es auch keinen sachlichen Grund für eine Zerschlagung des dualen Gesundheitssystems, betont der PKV-Verband. Das Gutachten der Hans-Böckler-Stiftung zeige, “dass die Bürgerversicherungs-Ideologie sich selbst ad absurdum führt. Sie wirkt wie eine Operation am offenen Herzen eines kerngesunden Patienten”.

Auch die Betriebsratsinitiative “Bürgerversicherung? Nein danke!” kritisiert scharf die Pläne für eine Bürgerversicherung. “Es besteht keine Veranlassung eines der weltweit anerkanntesten Gesundheitssysteme schlecht zu reden”, betont Peter Abend, Betriebsratsvorsitzender der Gothaer Krankenversicherung, in einer Stellungnahme. Demnach würde durch die Bürgerversicherung “nichts verbessert, sondern das gut funktionierende duale Gesundheitssystem unwiderruflich zerstört”. (vwh/td)

Link: Die vollständige Studie der Hans-Böckler-Stiftung (PDF)

Bildquelle: DAK

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