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Jeder 4. Versicherer in der EU erreicht Klassenziel nicht

02.12.2014 – banken_FotoHiero_pixelio.deVon VWheute-Brüssel-Korrespondent Thomas A. Friedrich.

Nicht nur die Banken, sondern auch viele Versicherer in der EU haben mit den niedrigen Zinsen und den geforderten Eigenkapitalanforderungen gemäß dem ab dem 1. Januar 2016 verpflichtenden Solvency II Regime, größte Probleme.

Dies geht aus der Untersuchung der Aufsichtsbehörde europäischer Versicherungen und Pensionskassen (Eiopa) hervor. Insgesamt nahm Eiopa 60 Konzerne und 107 weitere einzelne Versicherer aus der EU, Norwegen, der Schweiz und Island unter die Lupe. Ergebnisse der einzelnen Versicherer werden in dem umfassenden Bericht der in Frankfurt ansässigen europäischen Aufsichtsbehörde indes nicht genannt.

Nach dem Bankenstresstest durch die Europäische Zentralbank, geht es im Eiopa-Report nicht darum, unter den Versicherungen einen konkreten Kapital-Zusatzbedarf aufzuspüren, sondern in erster Linie, Schwachstellen im Versicherungssektor auszumachen. Derzeit haben noch die nationalen Aufseher im Versicherungswesen die Kompetenz, Schwächen in der Versicherungslandschaft aufzudecken und die Versicherer für Solvency II zu wappnen.

Die Eiopa-Befunde geben Anlass zur Sorge, dass bei anhaltend niedrigem Zinsniveau kleine Versicherer und Spezialversicherer in Turbulenzen kommen könnten in sogenannten “japanischen Verhältnissen”. Dies bedeutet, das in einer langen Phase historisch niedriger Zinsen, wie das Beispiel Japan zeigt, würden rund ein Viertel (24 Prozent) der getesteten Unternehmen nicht mehr genügend Kapital vorhalten können. Bei plötzlich kräftig steigenden Zinsen würde ein Fünftel (20 Prozent) der europäischen Versicherer die Luft ausgehen.

Die positive Nachricht lautet hingegen: Drei Viertel (86 Prozent) der getesteten Unternehmen hielten genug Kapital, um ihre Verpflichtungen binnen Jahresfrist erfüllen zu können. Zu den Problemfällen zählen so der Eiopa-Report 14 Prozent der Versicherer, die zusammen drei Prozent der Aktiva ausmachen. Sie halten nicht genügend Kapital wenn es hart auf hart geht.

Im Falle eines Worst-Case-Szenarios, bei einer Kombination aus tiefen Zinsen und fallender Bewertung ihrer Aktiva, könnte nur noch jedes zweite europäische Versicherungsunternehmen (56 Prozent) ihren Kapitalverpflichtungen gegenüber ihren Kunden befriedigen. Dies träfe vor allem Lebensversicherer, die langfristige Garantieversprechen abgegeben haben und bei denen ein “mismatch” zwischen auseinanderklaffenden Laufzeiten von Aktiva und Passiva sich darstellten. Ein weiterer erheblicher Risikofaktor für die Assekuranz stelle die alternden Gesellschaften und das damit aus Versicherperspektive bezeichnete “Langlebigkeitsrisiko” dar.

EU-Finanzmarktkommissar Jonathan Hill attestiert nach Veröffentlichung des Eiopa-Berichts, den Versicherern indes gute Noten: “Die Ergebnisse zeigen, dass der europäische Versicherungssektor trotz identifizierter Vulnerabilität vor allem einzelner kleiner Versicherer, sich in einem guten Gesundheitszustand befindet”. Das neue Solvency II Aufsichtsregime sei darauf ausgelegt, die im Stresstest aufgezeigten Punkte zu vermeiden. Es komme jetzt darauf an, dass Aufseher und Versicherer gleichermaßen die Vorbereitungen bis 2016 beschleunigten.

Insurance Europa sieht sich angesichts der Stresstest-Ergebnisse von den Anstrengungen der Versicherer bestätigt: “Die Eiopa-Resultate verdeutlichen klar die Belastbarkeit der europäischen Versicherungsindustrie im Vorfeld der Solvency II Einführung im Januar 2016″, erklärte der stellvertretende Insurance Europe Generaldirektor, Olav Jones.
Bild: Banken in Frankfurt am Main (Quelle: FotoHiero / pixelio.de)

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