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Japans Lebensversicher als passende Fallstudie

14.09.2016 – Japan_bildpixel_pixelioVon Dirk Nieder, Regional Director Life/Health North East Asia der General Reinsurance AG. Die Zentralbanken haben auf die letzte Finanzkrise weltweit mit einer massiven Erhöhung der Liquidität und der Senkung der Leitzinssätze auf historisch niedrige Niveaus reagiert. Für ein solches Szenario bietet sich der japanische Lebensversicherungsmarkt als passende Fallstudie an.

Die japanischen Lebensversicherer haben die Erfahrung gemacht, dass der Zinsertrag aus ihren Kapitalanlagen längerfristig nicht mehr die hohen Garantiezinsen vergangener Neugeschäftsjahre in ihren Beständen erreicht. Zudem haben sich diese Unternehmen traditionell auf Sparprodukte mit Überschussbeteiligung konzentriert. Typische Policen waren Kapitallebensversicherungen und lebenslängliche Todesfallversicherungen, oftmals ergänzt um Zusatzversicherungen. Die späten 1980er-Jahre waren in Japan durch eine Asset-Blase gekennzeichnet, in der Immobilien- und Aktienpreise in großem Maße aufgebläht waren.

Die Lebensversicherer in Japan haben zu jener Zeit langfristige Lebens- und Rentenversicherungen mit hohen Garantiezinsen verkauft, um mit den Zinssätzen zehnjähriger Versicherungspolicen mithalten zu können, die von der staatlichen Postversicherung angeboten wurden. Da die japanische Regierung nicht viele Anleihen mit Fälligkeiten von mehr als zehn Jahren ausgab, ergänzten die Versicherungsgesellschaften die Investitionen in Anleihen um Investitionen in Aktien, Darlehen und Immobilien.

Die Finanzmärkte in Japan brachen in den 1990er-Jahren zusammen. Japan geriet in eine Deflationsspirale mit fallenden Aktienpreisen und Immobilienwerten sowie Zinssätzen auf Rekordtiefständen. In der Folge ging das Neugeschäft in der Lebensversicherung zurück und das Storno nahm zu, da die Verbraucher ihre Ausgaben einschränkten.

Die Krise der japanischen Banken, die durch uneinbringliche Kredite belastet waren, wirkte sich Ende der 1990er-Jahre auf die gesamte Finanzdienstleistungsbranche aus und führte auch zu einem Vertrauensverlust gegenüber Lebensversicherern. Darüber hinaus gingen die japanischen Finanzmärkte durch eine Phase der Liberalisierung, die 1998 ihren Höhepunkt im sogenannten Tokyo Big Bang fand, die auch die japanischen Lebensversicherungsmärkte beeinflussten. Durch diese Entwicklungen gerieten die Erträge der Lebensversicherer unter Druck.

Es entstand eine Diskrepanz zwischen der in der Kapitalanlage tatsächlich erwirtschafteten Verzinsung und dem durchschnittlichen Garantiezins im Bestand, der sog. negative spread. 1997 kam es zur ersten Insolvenz einer Lebensversicherungsgesellschaft seit dem Zweiten Weltkrieg. Zwischen 1999 und 2001 ereigneten sich in schneller Folge sechs weitere Insolvenzen von Lebensversicherern.

Japanische Lebensversicherer versuchten, das Neugeschäft durch Einführung innovativer Produktkonzepte anzukurbeln und damit auch den durchschnittlichen Garantiezins in ihren Beständen abzusenken:

  • Die Produktlandschaft veränderte sich von Produkten mit Gewinnbeteiligung hin zu Produkten vorwiegend ohne Gewinnbeteiligung.
  • Das Anlagerisiko wurde auf die Versicherungsnehmer verlagert, zum Beispiel durch den Verkauf von fondsgebundenen Lebensversicherungsprodukten und USD- und Euro-dominierten Policen, die eine höhere nominale Anlagerendite versprachen, das Währungsrisiko jedoch beim Versicherungsnehmer beließen.
  • Variable Annuities (VA) wurden im Jahr 2000 auf den Markt gebracht, vorwiegend über Banken verkauft und erreichten innerhalb kürzester Zeit einen erheblichen Marktanteil. Die VAs bescherten den Lebensversicherern vorübergehend das dringend benötigte Wachstum. Allerdings kamen die Verkäufe von VAs nach der weltweiten Finanzkrise praktisch zum Erliegen, als viele Lebensversicherer erhebliche Verluste aus den finanziellen Garantien dieser Produkte erlitten. Die meisten Unternehmen zogen sich aus dem Verkauf von VAs zurück. Verbraucher hingegen begannen wieder, die – wenn auch niedrigen – Garantiezinsen der klassischen Rentenversicherungen zu schätzen, deren Verkäufe entsprechend anzogen.
  • Der wichtigste Trend war jedoch der verstärkte Verkauf von Risikoprodukten, wie zum Beispiel Kranken-, Krebs- oder Pflegeversicherungen. Während sich die Anzahl neuer Krankenversicherungspolicen zwischen 2000 und 2010 quasi verdoppelte, gingen die Verkäufe traditioneller Lebensversicherungspolicen tendenziell eher zurück.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass mit der Einführung alternativer Garantien in Form von VAs kurzfristig Neugeschäftserfolge erzielt werden konnten, jedoch während der letzten weltweiten Finanzkrise auch erhebliche Verluste verursacht wurden. Unternehmen, die sich auf innovative Risikoprodukte konzentrierten, konnten hingegen nachhaltiges profitables Neugeschäft generieren und kamen insgesamt besser durch die Finanzkrise.

Bildquelle: bildpixel / pixelio.de

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