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Iran: Unwägbarkeiten und Milliardengeschäfte

16.07.2015 – Industrie_Claudia Mirus_pixelioEinen massiven Anstieg des Konsums prognostiziert Kreditversicherer Euler Hermes nach der Aufhebung der Iran-Sanktionen. Auch die Nachfrage nach Maschinen steige laut Chefökonom Ludovic Subran in direkter Folge. Deutschland sieht er im Vorteil, wenn es um künftige Geschäfte mit dem Iran geht. Téva Perreau, Regionalchef bei Coface, äußert sich dagegen vorsichtiger. Sein Kommentar: “noch zu viele Unwägbarkeiten.”

“In der Coface-Länderbewertung ist Iran in der niedrigsten Kategorie D eingestuft”, sagt Téva Perreau, auf Anfrage von VWheute. Erhebliche Schwächen im politischen, rechtlichen und sozio-ökonomischen Bereich würden sich derzeit auch negativ auf das Geschäftsumfeld auswirken – vorerst auch nach der Einigung in den Atomverhandlungen.

Zur Vorsicht mahnt hier auch Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius: “Es besteht nur eine geringe Regulierung und es sind nur wenige Finanzinformationen verfügbar, besonders im KMU-Segment. Das macht die Identifizierung potenziell kreditwürdiger Abnehmer sehr schwierig.” Doch historisch gesehen sei der Iran ein großer Konsumgütermarkt mit einer starken Nachfrage nach westlichen Produkten sowie einer hohen Zahlungsmoral.

“Ausländische Waren wie zum Beispiel Haushaltswaren sind derzeit sehr schwer zu bekommen, ganz zu schweigen von Autos oder Maschinen”, konstatiert Ludovic Subran. “Die deutsche Wirtschaft könnte enorm von diesem bisher brach liegenden Potenzial profitieren, insbesondere weil die Nachfrage gerade in den Branchen stark ansteigen wird, in denen die deutschen Exporteure traditionell sehr stark sind”, erläutert der Chefökonom der Euler Hermes Gruppe.

Warum gerade Deutschland? Subran sieht die große iranische Gemeinde in Deutschland – zweisprachig und hochgebildet – als entscheidenden Faktor für künftige Geschäftsbeziehungen. “Zweitens spielt Deutschland bereits heute eine wichtige Rolle in der Lieferkette in den Iran durch die intensiven Handelsbeziehungen mit der Türkei und zahlreiche Niederlassungen im Bosporusstaat.” Und schließlich sei “Made in Germany” nach wie vor ein Türöffner.

Er beziffert den Konsumrückstand des Iran in den vergangenen vier Jahren auf 30 Mrd. Euro.

Subran: “Dieses Potenzial ist enorm, auch wenn Deutschland nur einen Teil dessen nutzen kann, Exporte könnten sich im besten Fall in den nächsten Jahren verdoppeln.” Er warnt vor chinesischer Konkurrenz. Ölexporte aus dem Iran nach China werden in Renminbi beglichen. Dadurch hätten viele iranische Unternehmen und Finanziers aktuell hohe Reserven in dieser Währung und sind quasi gezwungen, chinesische Produkte zu kaufen. (ku)

Bildquelle: Claudia Mirus / pixelio.de

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