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Intelligente Autos: Datenzugang ist das entscheidende Wettbewerbsfeld

08.04.2016 – Versicherungstag_KA._akjpgMobilitätskonzepte der Zukunft fordern die etablierten Player am Mobilitätsmarkt hinaus, auch die Versicherer. „Der digitale Fortschritt ist am Automobilmarkt das Topthema, von dem wir noch nicht wissen, wie es sich entwickeln wird“, sagte Heinz Ohnmacht, Vorstandsvorsitzender der BGV, Badische Gemeindeversicherung und Vizepräsident der IHK Karlsruhe zur Eröffnung des Karlsruher Versicherungstages 2016. Vor den 180 Gästen wurden die Chancen durch automatisiertes Fahren, die Konsequenzen aus Sicht der Autoversicherer und Perspektiven der Logistik in der Industrie 4.0 beleuchtet.

Die Vision des autonomen Fahrens ist längst in greifbare Nähe gerückt. Bereits heute ist das teilautomatisierte Fahren – sprich die Unterstützung des Fahrers durch zahlreiche Assistenzsysteme – serienmäßig auf den Straßen unterwegs. Doch bis das Auto sich völlig selbstständig durch alle Situationen im Straßenverkehr manövriert wird es noch ein paar Jahre dauern, prognostiziert Thomas Schamm, Bereichsleiter am Forschungszentrum Informatik (FZI) in Karlsruhe: „Die Schwierigkeit ist, die Generalisierbarkeit der Systeme.“ Ziel müsse es sein, dass die Systeme intuitiv auf die unterschiedlichsten Situationen im Straßenverkehr reagieren und nicht jedes denkbare Manöver explizit vorab einprogrammiert werden müsse.

 E-Call ist ein vom Gesetzgeber legitimierter Wettbewerbsvorteil für die Autoindustrie

Doch nicht nur technische Herausforderungen gilt es auf dem Weg in die auto-mobile Zukunft zu lösen, sondern auch Marktanteile verschieben sich. Der Kampf um die Datenhoheit im Auto ist längst schon eröffnet, wie Huk-Coburg-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann anschaulich darlegte: „Die Automobilhersteller erheben den Anspruch auf die Daten, weil sie die Autos gebaut haben. Wir Versicherer sagen aber, dass der Verbraucher über die Nutzung seiner Daten entscheiden muss.“ Besonders skeptisch sieht der Vorstand die E-Call-Debatte. „Der E-Call ist ein vom Gesetzgeber legitimierter Wettbewerbsvorteil für die Autoindustrie“, kritisiert Heitmann. Und zwar im vermutlich wichtigstem Wettbewerbsfeld: dem Datenzugang.

Angesichts sinkender Unfallzahlen durch technisch ermöglichte Sicherheit im Straßenverkehr müssen die Versicherer sich aber auch produktseitig neu aufstellen. Die Huk-Coburg, der führende Kfz-Versicherer in Deutschland, habe hier für sich entschieden, dass man kein Car-Sharing-Versicherer werden wolle, sondern weiterhin auf die Versicherung der Individualmobilität setzte. Auch wenn dieses Geschäftsfeld schrumpfe. „Wir wollen die Kunden mit breit aufgestellten Mobilitätsdienstleistungen von uns überzeugen und wir wollen nicht zum austauschbaren Zulieferer von Versicherungsleistungen werden“, so der Huk-Vorstand.

Einen Blick in die Zukunft der Logistik in der vernetzten Industrie warf dann Matthias Hormuth, Solution Director Logistics Concepts beim Software-Haus PTV Group. Und hier stellt das autonome Fahren nur ein Puzzleteil im großen Netz der Industrie 4.0 dar. Intelligente Routenplanung arbeitet hier mit smarten Waren, Robotern und Verteilzentren zusammen.
Die Möglichkeiten der Digitalisierung in der Mobilität sind zahlreich und sollten von den Versicherern vor allem als Chance und nicht nur als Bedrohung wahrgenommen werden, lautete der Tenor der Veranstaltung. (jko)

Bild: Karlsruher Versicherungstag 2016 (Quelle: ak)

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