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Größte Gefahr ist das schwächste Glied in der Lieferkette

28.10.2015 – Stoller_Privat“Cyber-Risiken kommen mannigfaltig daher”, sagt Christopher W. Stoller von der Dualen Hochschule BW in Lörrach. Gegenüber VWheute erläutert er, wie sich die Logistikbranche gegen Risiken aus dem Bereich der Software-Lieferanten, des Webdesigns, des Identitätsklaus und Gefährdungen der Lieferkette schützen kann. Die Grundherausforderung bestehe darin, das “schwächste Glied in der Lieferkette” zu identifizieren.

VWheute: Cyber-Risiken in der Logistik: Wann können diese für Unternehmen existenzbedrohend werden?

Christopher W. Stoller: Der Grundherausforderung, die sich die Logistik stellen muss, ist die Identifikation des “schwächsten Gliedes in der Lieferkette”. Eine Lieferkette ist nur so widerstandsfähig, wie ihr angreifbarster Teil stark ist. Gerade bei einer Vielzahl von global operierenden Akteuren, die in unterschiedlichster Komplexität sich der Mithilfe Dritter bedienen, kann schon die Nutzung einer kostengünstigeren Alternative aus einem low-cost-Land zu Cyber-Risiken führen. Wer will denn ausschließen, dass nicht hier Böswillige am Werk sind? Gleiches kann natürlich auch in Deutschland passieren.

VWheute: Welche Defizite in der Prävention stellen Sie hier fest?

Christopher W. Stoller: Grundsätzlich fehlt ein gemeinsames Risikoverständnis. Zwar gibt es mittlerweile eine Reihe von Spezialversicherungen zu diesem Thema, die auch die Risiken hinlänglich abdecken könnten. Doch muss eigentlich am möglichen Schadens(mit)verursacher angesetzt werden. Hier fehlt es noch an einem Konsens. Zudem ist ein mangelhafter Daten- und Informationsaustausch in der Lieferkette zu beklagen. Unter Ausnutzung von vielen Beteiligten in der Transportkette (z. B.: Luftfrachtgesellschaft, Flughäfen, KEP-Dienstleister etc.) kann gar keine einheitliche Information vorgehalten werden. An jeder Schnittstelle sind Gefahren für die Sicherheit. Schließlich fehlt es oft an einer unternehmenseigenen “business resilience-Strategie”, also einem formulierten Ansatz, wie man mit Cyberrisiken proaktive umgeht.

VWheute: Wo geht die Reise in der Logistik- und Transportbranche hin? Sind Drohnen hier das disruptive Moment?

Christopher W. Stoller: Die Logistik- und Transportbranche muss schon im Beschaffungsprozess Cyberrisiken berücksichtigen. Es gilt die Lieferanten durch Sicherstellung ihrer Cyber-Sicherheit zu überwachen. Auch sollte man sich Gedanken über den Einsatz von Vertragsklauseln, die auf und ab der Lieferkette Cyber-Sicherheit verlangen, machen. Schließlich sollte an einer branchenübergreifenden Forderung nach kollaborativen Prozessen als Reaktion auf Datenschutzverletzungen gearbeitet werden. Die beinhaltet u. a. eine Informationssicherheit über kritische Ereignisse, die sich in Nachbarunternehmen abgespielt haben. Wenn Sie auf Drohnen anspielen: Sicherlich unterliegen ihren operativen Risiken und können gehackt werden. Ob sie allerdings die von manchen vermutete Einsatzkraft haben, ist zumindest heute noch fragwürdig.

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Christopher W. Stoller ist Lehrstuhlinhaber an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Lörrach und spricht heute in Berlin beim 32. Deutschen Logistik-Kongress der Bundesvereinigung Logistik. (Quelle: Privat)

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