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Grauer Kapitalmarkt: Transparenz unbedingt notwendig

05.06.2014 – fachgespraech“Aufgabe der Regulierung ist es Märkte für Kunden zu schaffen und zwar nicht für Kunden, wie sie gewünscht sind – mündige, interessierte Kunden – sondern für die Menschen, die wir haben. Momentan sind die Märkte nicht gut organisiert, die Kunden fühlen sich darin nicht wohl.” Mit dieser Meinung brachte Gerhard Schick, der finanzpolitische Sprecher der Grünen, die Diskussion beim 27. Versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch in Berlin stattfindenden Fachgesprächs zum Thema Grauer Kapitalmarkt und Altersvorsorge voran.

Was den Grauen Kapitalmarkt betrifft, müsste der Staat ein hohes Interesse daran haben, dass Verbraucher ihre Altersvorsorge nicht in die falschen Produkte investieren und ihm dann auf der Tasche liegen. Schick sieht ein Versagen gleichermaßen von Staat und Aufsicht, wenn man an Skandale wie Phönix, Göttinger Gruppe und Prokon denkt. Es könne nicht sein, dass der Staat den Markt darüber regulieren will, dass er den Kunden mit Informationen überhäufe, die dieser gar nicht verstehen und einschätzen kann. Verbraucherschutz sei für ihn auf der einen Seite angemessene und gestaffelte Informationen für Kunden, Sachverständige/Berater und Aufsicht sowie eine schärfere Kontrolle durch die Bafin. Nach seiner Meinung reicht es nicht, deren Kompetenzen wie jetzt geplant auszuweiten. Es müsse die Arbeitsweise unter die Lupe genommen werden.

„Selbst gut gebildete Bürger sind nicht in der Lage, zum Teil völlig intransparente, komplexe Produkte zu verstehen bzw. die Risiken einzuschätzen, die damit verbunden sind, wenn nicht transparent informiert wird. Das kann man nicht dem Bildungssystem in die Schuhe schieben“, bemängelte er als Reaktion auf die Forderung von Michael Ermrich, Präsident des Ostdeutschen Sparkassen- und Giroverbandes, und Volker Deville, Leiter der Hauptstadtrepräsentanz der Allianz SE, nach mehr Finanz- und Risikobildung an deutschen Schulen. Die sei zwar nötig, ändere aber nichts am Problem. Vielmehr sei die Bafin angehalten, sich nicht auf ihre Funktion als Stabilitäts-Wächter zurückzuziehen, sondern zum Beispiel einzuschreiten, wenn wie im Fall Prokon ein ganzer Vertrieb falsch läuft. Man müsse dazu kommen Bundesinstitutionen effektiv zu kontrollieren, damit sie das tun, was sie tun können.

Selbst konservativ ausgerichtete Institute wie die Sparkassen halten die Produkte nicht durchgängig für schlecht, wie Ermrich betonte. Sie seien gesellschaftlich notwendig und erwünscht, man müsse aber zwischen problematischen und seriösen Anbietern unterscheiden. Die schwarzen Schafe der Branche verursachen einen jährlichen Schaden von 20 bis 25 Mrd. Euro im Jahr. Für seine Klientel kämen die Produkte allerdings nicht in Betracht, weil 30 Prozent der Kunden der OSV über gar kein Kapitalvermögen verfügen und vom Rest fast zwei Drittel weniger als 25.000 Euro auf der hohen Kante haben. Daher setze man auf klassische Garantieprodukte. Infrastrukturfonds hingegen bieten seine Institute mit guter Rendite an. Er plädierte allerdings dafür, diese grundsätzlich und ausschließlich über Banken zu verkaufen.

Auch Deville von der Allianz kann sich durchaus vorstellen, dass sein Haus zehn bis höchstens 20 Prozent des Anlagevolumens in Strukturmaßnahmen wie Straßen, Tunnel oder Windparks investiere, auch wenn diese Anlagen illiquide sind. Sollte der sehr unwahrscheinliche Fall auftreten, dass viele Kunden auf einmal ihre Lebensversicherung ausgezahlt haben möchten, dann müsse man solche Anlagen zur Not mit Verlust veräußern. „Das eigentliche Problem ist nicht die Liquidität, sondern das Wiederanlagerisiko, da es zu wenig sichere Anlagen mit guter Rendite gibt“, erklärte er. (epo)

Foto: Beim 27. versicherungswissenschaftlichen Fachgespräch in Berlin (Quelle: epo)

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