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Gothaer-Chef regt öffentliche Demografie-Debatte an

05.06.2014 – werner-goergDas Sozialversicherungssystem in Deutschland steht vor einer schweren Belastungsprobe und wird in der Zukunft immer weniger tragfähig sein. Grund ist der starke Geburtenrückgang. Vor allem in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung wird es eine Kostenexplosion geben, weil die Menschen immer älter werden. Mit diesen Thesen möchte Werner Görg, Vorstandsvorsitzender des Kölner Gothaer Konzerns, eine neue Debatte über die Probleme der Demografie anregen.

In einer lebhaften Diskussion mit Pressevertretern verteidigte Görg ein Horrorszenario bei dem er für die Kranken- und Pflegeversicherung in den nächsten Jahren exorbitante Aufwandssteigerungen prognostizierte. Demgegenüber würde es bei der gesetzlichen Rente lediglich zu linearen Steigerungen der Ausgaben kommen. Unter dem Strich wären diese Leistungen aber nicht mehr durch die Beiträge der jungen Generation gedeckt, die im Verhältnis zu den Senioren immer kleiner werde. Görg stützt seine Thesen vor allem auf Studien des Sozialwissenschaftlers Meinhard Miegel. So gebe es das Problem der ausgefallenen Generation. „Die Mädchen, die nicht geboren wurden, können auch keinen Kinder bekommen“, warnte Görg. Das Dilemma könne man lediglich in einer Zeitspanne von 35 Jahren in den Griff bekommen, wenn sich heute bei der Geburtenrate radikal etwas ändere. „Doch das ist nicht in Sicht“, so Görg. Derzeit würden pro Frau 1,25 Kinder geboren. Notwendig, um ein Schrumpfen der Bevölkerung zu vermeiden, wären aber 2,1 Kinder pro Frau. Zwar habe Deutschland viel für die Kinderförderung getan, doch der Erfolg sei vollkommen ausgeblieben. Zwar könnten neue Volkskrankheiten, wie etwa Diabetes, die Lebenserwartung langfristig wieder senken. Doch die hohen Kosten für Pflege- und Krankenversicherung würden trotzdem bleiben. Das zeigten Zahlen aus den USA, wo Diabetes schon fast den Status einer Volkskrankheit erreicht habe.

Daher müsste in einer öffentlichen Debatte über die Folgen der demografischen Entwicklung neu über Zuwanderung nachgedacht werden. Da frühere Zuwanderungsländer, wie Italien und Spanien und auch osteuropäische Länder selbst geringere Geburtenraten aufweisen, könnte eine Zuwanderung nur noch aus Afrika erfolgen. In der Diskussion wurde deutlich, dass die Zuwanderung aus Afrika viel mehr als Chance, denn als Bedrohung angesehen werden müsste. Die größte Hürde bei der Eingliederung seien grundsätzlich Deutschkenntnisse. Görg regte zudem an, Erben stärker an den Kosten der Kranken- und Pflegeversicherung zu beteiligen. So könnte das letzte Lebensjahr, das rund 40 Prozent der Gesamtkosten ausmachen würde, vom Erbe abgezogen werden. Görg ist sich bewusst, dass solche Vorschläge unpopulär sind. Zudem warnt er davor, dass die notwendigen Reformen für eine solide Altersfinanzierung an der Demokratie scheitern könnten. Immerhin nehme der Anteil des stimmberechtigen Senioren immer mehr zu. Laut einer Forsa-Umfrage würden Senioren zwar einsehen, dass die Lasten zwischen Jung und Alt neu verteilt werden müssten. „Doch niemand möchte auf seine erworbenen Rechte verzichten“, so Görg. Daher sei es unbedingt an der Zeit, eine ernsthafte öffentliche Diskussion zwischen den Genrationen zu führen.

Görg selbst könnte dafür künftig mehr Zeit haben. Noch im Sommer will der Vorstand in den Aufsichtsrat des Unternehmens wechseln. Gleichzeitig ist der 57-Jährige in der Universität Köln als Honorarprofessor aktiv. „Ich gebe mein Wissen gerne an junge Menschen weiter“, so der Konzernchef. (usk)

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