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Gesundheitsmärkte im Check: Italien

22.10.2015 – arzt_FotoliaIn Italien existiert mit dem Servizio Sanitario Nazionale (SSN) ein staatlicher Gesundheitsdienst, der 1978 eingeführt wurde und faktisch steuerfinanziert ist. Das bedeutet: Arbeitnehmer zahlen keine Beiträge, Freiberufler hingegen eine jährliche Abgabe von derzeit rund 380 Euro. Erfasst werden alle Bürger, die medizinischen Leistungen werden unentgeltlich zur Verfügung gestellt.

Mit diesem staatlichen Gesundheitsdienst wollte die italienische Regierung ursprünglich das Nord-Süd-Gefälle in der Gesundheitsversorgung des südeuropäischen Landes überwinden – gelungen ist dies bislang aber nicht. So ist der Standard der medizinischen Einrichtungen in den reichen Regionen des Nordens immer noch deutlich besser und moderner als im Mezzogiorno. Auch die Strukturen sind chronisch defizitär.

Organisiert wird das System dezentral. Das Gesundheitsministerium legt demnach lediglich den Gesundheitsplan fest und verwaltet den Solidaritätsfonds, mit dem die schwächeren Regionen durch Ausgleichszahlungen unterstützt werden. Allerdings genießen die regionalen Verwaltungen weitgehende Autonomie. Diese legen alle drei Jahre einen eigenen regionalen Gesundheitsplan fest und verteilen die finanziellen Mittel an lokale Gesundheitsdienste und Krankenhäuser. Zudem ist es den Regionen selbst vorbehalten, zusätzliche Leistungen zu finanzieren, die nicht im Gesundheitsplan festgelegt sind.

Für Regelleistungen in den staatlichen Gesundheitszentren und bei den Vertragsärzten müssen die Versicherten jedenfalls keine Zuzahlungen leisten. Lediglich für Facharztbesuche und Rezepten werden meist gestaffelte Gebühren fällig. Patienten über 65 und Kinder bis sechs Jahre sind von den Zuzahlungen hingegen befreit, ebenso wie Arbeitslose und Behinderte.

Die private Krankenversicherung fristet in Italien hingegen eher ein Schattendasein. Nur 30 Prozent aller Italiener haben eine Zusatzversicherung, um private Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Eine Kooperation der privaten Krankenversicherer mit dem öffentlichen Sektor gibt es hingegen nur selten. (vwh/mf)

Link: Gesundheitsmärkte im Check: Großbritannien (Tagesreport vom 09.10.2015)

Bildquelle: Fotolia

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Aus der aktuellen Ausgabe des Business- und Managementmagazins Versicherungswirtschaft (Heft 10/15):

> Kostbare Gesundheit – Der Qualitätssprung im deutschen Gesundheitswesen

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