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Geldstrafe für GM – Massenrückruf bei Toyota

10.04.2014 – In eine immer ungemütlichere Situation gerät General Motors: Nach dem in feindlich-aggressiver Atmosphäre erfolgten Auftritt der CEO Mary Barra vor dem Kongress bezichtigt die US-Straßensicherheitsbehörde NHTSA GM die bisherigen 107 Einzelfragen nur schleppend bzw. zu einem Drittel noch gar nicht beantwortet zu haben. Jeder weitere Säumnistag kostet fortan 7.000 US-Dollar Strafe. Der Betrag mutet zwar gering an, er hilft aber Anwälten von Sammelklagen, Geschworene von der Notwendigkeit einer juristischen Aufarbeitung der Fälle zu überzeugen. Förmlich im Windschatten dieser Vorgänge hat der japanische Autohersteller Toyota den Rückruf von weltweit nun mehr als sechs Millionen Fahrzeugen bekannt gegeben. Ein Fall für Risikomanager.

Es geht um eine Schadenserie aufgrund von defekten Zündschlössern, die in GM-Modelle der unteren Preissegmente wie den Chevrolet Cobalt verbaut wurden. Es besteht die Gefahr, dass sich im Fall unebener Straßen und mit anderen Schlüsseln überfrachteten Schlüsselbünden die Zündung während der Fahrt ohne Zutun des Fahrers ausstellen könnte (Position „accessory“ statt „ignition“) mit der Folge des Verlusts von Motor, Bremskraft und Lenkung sowie der Deaktivierung der Airbags. Die GM Produktrückrufaktion läuft derzeit an. Allerdings wird die Durchführung der Aktion auch angesichts der Notwendigkeit 2,3 Millionen Ersatzschlösser zu stellen recht lange dauern.

In den meisten Fällen dürfte GM nicht für die Unfälle selber kausal sein sondern nur für die nach Zurückspringen der Zündung nicht erfolgte Auslösung der Airbags. Grund für die mögliche Haftungsabschneidung („bankruptcy shield“) auf der Zeitachse ist die 2009er GM-Insolvenz. Jedoch scheint die neue GM in Abweichung der eigentlich geltenden Haftungslimitierung eine begrenzte Haftung für nach Ende der Insolvenz hinsichtlich von vorher verkauften Autos eintretende Unfälle akzeptiert zu haben. Ob es um die von GM zugegebenen nur 13 Tote oder wie anderweitig behauptet deren ca. 30 geht ist ungeklärt.  Hinzu könnten auch noch z.B. Querschnittsgelähmte kommen, denen ihre Verletzungen bei korrekter Auslösung des Airbags erspart geblieben wären.

Die von GM eingebauten Zündschlösser stammten von Delphi Automotive. Auch Delphi hatte ein Chapter-11-Verfahren durchlaufen, anscheinend aber ohne jedwede Übernahme von Althaftungen durch die wieder entstandene Gesellschaft. Soweit GM eigentlich Regressansprüche gegen Delphi hätte dürften diese sich als ziemlich wertlos erweisen. Delphi macht jetzt bereits zur eigenen Verteidigung geltend GM habe 2002 ausdrücklich die eigentlich nicht GM Standards entsprechenden Schlösser gut geheißen. Ein verbessertes Schloss hätte jeweils 57 Cents mehr gekostet.

Um lose Sitze und instabile Lenksäulen, sowie Kabelbrüche geht es beim japanischen Konkurrenten Toyota. 92.000 Fahrzeuge müssen hier in die Werkstätten, weltweit sind es astronomische 6,8 Millionen Einheiten. Das ist rekordverdächtig und in Zahlen für das Unternehmen, wie für den Versicherer, noch gar nicht abzuschätzen. Dabei unterhalten die Japaner ihre eigene Versicherungsdivision. Die Toyota Captive ist als Teil der Toyota Financial Services in den USA mit 81 Mrd. US-Dollar, die drittgrößte Automotice Captive Finance Company des Landes. Auch für sie gilt der Toyota-Claim: “Nichts ist unmöglich.” (cpt/vwh)

Links: 7000 Dollar Strafe pro Tag für Opel-Mutter GM, Toyota beordert 6,4 Millionen Autos in die Werkstätten, Die zehn peinlichsten Rückrufe der Autogeschichte, Praktisches Risikomanagement für kleine und mittlere Unternehmen (Munich Re, PDF)

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