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Flüchtlinge: Größerer Bedarf für stationäre Versorgung

03.12.2015 – Arzt_Christoph Droste_pixelioDie aktuelle Flüchtlingswelle bedeutet eine zusätzliche Belastung für das deutsche Gesundheitswesen. Laut einer Auswertung des Deloitte Health Care Indicators sind pro 100.000 Asylanträge etwa 14.700 stationäre Versorgungsfälle zu erwarten. Auf Platz eins liege dabei die innere Medizin, gefolgt von der Chirurgie sowie der Frauenheilkunde und Geburtenhilfe. Ebenso wichtig sei die Psychotherapie.

Laut aktueller Kalkulationen von Deloitte seien demnach bundesweit etwa 2.250 Krankenhausbetten für die Versorgung erforderlich. Dies entspreche etwa 0,4 Prozent der Gesamtzahl von 2014. Hinzu komme ein Personalbedarf von etwa 2.100 Vollzeitkräften. Davon seien 460 Vollkräfte im ärztlichen Dienst, 1.120 Vollkräfte im Pflegedienst sowie 540 Vollkräfte im medizinisch-technischen Dienst erforderlich. Die Experten gehen dabei in ihren Berechnungen von etwa 800.000 Flüchtlingen aus.

“Eine adäquate Versorgung der Menschen ist ein wichtiger Baustein der Integration und erfordert gemeinsame Anstrengungen im Gesundheitssystem. Dabei sind die zu erwartenden Fallzahlen im Vergleich zum Bevölkerungsschnitt geringer. Der Großteil der Menschen, die zu uns kommen, ist unter 35 Jahre alt und männlich. Gelingt die Integration in den Arbeitsmarkt, wird sich die demographische Struktur durch Sozialbeiträge positiv auf das Gesundheitssystem auswirken”, sagt Gregor-Konstantin Elbel, Partner und Leiter Life Sciences & Health Care bei Deloitte.

Der neue Versorgungsreport 2015 der AOK kommt jedoch zu dem Schluss, dass nicht nur die Herkunft oder soziale Lage über die Gesundheitschancen von Kindern und Jugendlichen entscheiden, sondern auch deren Wohnort. So ergab eine Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) unter AOK-Patienten bis 24 Jahren, dass die standardisierte Operationsrate 2012 bei einer Mandelentfernung (Tonsillektomie) oder einer Teilentfernung der Mandeln (Tonsillotomie) im bundesweiten Durchschnitt demnach bei 37 operierten Patienten pro 10.000 Einwohner lag. In der Region Ingolstadt lag sie bei 17 je 10.000 Einwohnern, während sie sich in der Region Magdeburg mit 66 pro 10.000 Einwohnern auf das Vierfache belief, berichtet die AOK. Ein ähnliches Bild ergebe sich auch bei den Blinddarmoperationen.

Um allen Kindern und Jugendlichen die gleichen Chancen zu geben, gesund aufzuwachsen, müsse allerdings nicht nur der Zugang zur medizinischen Versorgung für alle gleich gut sein, fordert die AOK. “Gesundheitschancen sind vor allem auch soziale Chancen”, sagt Bernt-Peter Robra, Direktor des Instituts für Sozialmedizin und Gesundheitsökonomie von der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, und Mitherausgeber des Versorgungs-Reports. “Die Aufgabe, die Gesundheit unserer Kinder zu fördern, ist eine nationale Querschnittsaufgabe”, fordert der Experte. (vwh/td)

Link: Die Kernaussagen der Deloitte-Studie

Bildquelle: Christoph Droste / pixelio.de

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