Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Fitch: LV-Rating “stabil”, aber…

21.01.2015 – kalb_fitch_150Die Ratingagentur Fitch sieht den deutschen Markt für Lebensversicherungen “stabil”, allerdings hat die Agentur der Branche einen negativen fundamentalen Sektorausblick erteilt, sagt Stephan Kalb, Senior Director und Leiter des deutschen Versicherungsteam von Fitch Ratings in Frankfurt/Main im Interview mit VWheute.

Hauptgrund dafür ist, laut Kalb, das Niedrigzinsumfeld und die damit einhergehende Schwierigkeit, aktuell Kapitalanlagen zu auskömmlichen Renditen anzulegen. Gegenwärtig hält Fitch die deutschen Lebensversicherer für ausreichend gut kapitalisiert. Eine Anpassung des Ratingausblicks auf negativ wäre jedoch zu erwarten, sollten die Zinsen noch weiter sinken und lange auf einem sehr niedrigen Niveau verbleiben.

VWheute: Die Top 10 der Lebensversicherer machen mittlerweile fast 60 Prozent des Marktes unter sich aus. Wo sehen Sie – in Anbetracht von LVRG und Solvency II – ein Ende der Fahnenstange in Sachen Konsolidierung?

Kalb: Mittelfristig ist damit zu rechnen, dass die Konsolidierung weiter zunimmt. Insbesondere sehr kleine Versicherer dürften es zunehmend schwer haben, die steigenden regulativen Anforderungen zu stemmen. Wir rechnen damit, dass die Zahl der im Markt aktiven Versicherungsunternehmen weiter abnehmen wird. Die Konsolidierung dürfte sich auf die Mitte des Marktes fokussieren, da es für die größten Akteure im Markt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen schwierig ist, durch Übernahmen zu wachsen.

Welche Signalwirkung geht vom Garantiezins und der bald anstehenden Empfehlung der Aktuarvereinigung aus?

Aufgrund des gegenwärtig schon niedrigen Niveaus bietet der Garantiezins nur noch eine eingeschränkte Indikation für die mit einer Lebensversicherung erzielbaren Gesamtrendite. Eine weitere Absenkung dürfte deshalb wenig Wirkung entfalten. Wir erwarten, dass es im gegenwärtigen Zinsumfeld zu einer weiteren Verschiebung zu Produkten mit alternativen Garantien kommen wird. Diese werden sich günstiger auf die Kapitalerfordernisse der Anbieter auswirken und den Kunden eine höhere Gesamtverzinsung ermöglichen kann.

Aufgrund hoher Umstellungskosten und wegen der Tatsache, dass der Garantiezins erst Anfang 2015 auf 1,25 Prozent abgesenkt wurde, dürfte der Branche nicht daran gelegen sein, schon im nächsten Jahr eine weitere Absenkung zu vollziehen. Damit die klassische Lebensversicherung wettbewerbsfähig bleibt, sollten sie zumindest die Rückzahlung eingesetzter  Beiträge garantieren. Damit kommt der Sicherheitsaspekt des Produktes angemessen zur Geltung. Bei einem Rechnungszins von unter einem Prozent wird es schwierig, den Beitragserhalt zu sichern, so dass für eine weitere Absenkung des Rechnungszinses auch wenig Spielraum bleibt.

Wie sieht der Lebensversicherer der Zukunft aus – von der Kapitalausstattung und Anlageportfolio, bis hin zur Produktpolitik und zum Vertriebsmodell?

Wir erwarten, dass die Produktlandschaft zwischen klassischer Lebens- bzw. Rentenversicherung und Produkten mit alternativen Garantien und fondsgebundenen Produkten vielfältiger wird und vermehrt flexible Lösungen angeboten werden. Da der Druck auf die Vertriebskosten zunehmen wird, könnte die Honorarberatung eine neue Chance bekommen. (vwh)

Die Fragen stellte VWheute-Redakteur Rafael Kurz.

Bild: Dr. Stephan Kalb, Fitchratings. (Quelle: Fitch)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten