Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 
- Anzeige -

Firmenpleiten sind keine Eintagsfliegen

08.12.2016 – Ron van het Hof CEO_ Euler HermesVon Ron van het Hof, Vorstandsvorsitzender von Euler Hermes für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Erneut sind die Insolvenzfälle 2016 zurückgegangen – Euler Hermes prognostiziert für das laufende Jahr einen Rückgang um rund vier Prozent. Trotz dieser guten Nachrichten sollten sich Unternehmen aber nicht in allzu großer Sicherheit wiegen, denn bei den Schäden sieht die Tendenz ganz anders aus.

In den zwölf Monaten bis Ende August 2016 sind die Schäden durch Insolvenzen in Deutschland um sage und schreibe 48 Prozent gestiegen. Der Grund: Es hat deutlich mehr größere Unternehmen getroffen, die 2016 in die Pleite geschlittert sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Bei einigen sind es Überkapazitäten, bei anderen weggebrochene Absatzmärkte. Der Großteil der Unternehmen hatte jedoch mit stagnierenden Umsätzen, gleichzeitig steigenden Kosten und geringen Gewinnmargen zu kämpfen. Das brachte die Bilanzen unter Druck.

Besonders im Bereich Wissenschaft und Technik, im produzierenden Gewerbe, im Handel, im Bau, im Finanzbereich und im Transportgewerbe sind die entstandenen Verluste durch Pleiten in Deutschland 2016 überproportional gestiegen. Das Risiko für einzelne Unternehmen ist in diesen Sektoren entsprechend hoch. Schaut man sich den Handel näher an, verwundert die Entwicklung kaum, standen doch 2016 zahlreiche Größen des textilen Einzelhandels vor dem Aus. Deren Umsätze lagen in einigen Fällen zwischen 250 und 900 Mio. Euro pro Jahr. Da verwundert es nicht, dass die Lieferanten entsprechend hohe Schäden zu verzeichnen haben.

Diese Entwicklung ist keine Eintagsfliege. Das zeigt auch der weltweite Trend. Auch hier geraten immer mehr große Firmen ins Trudeln. Schifffahrtsgröße Hanjin beispielsweise verbuchte einen jährlichen Umsatz von 5.730 Mio. Euro. Deutsche Unternehmen sind traditionell im Export sehr stark aufgestellt und unterhalten Handelsbeziehungen in vielen globalen Märkten. Insofern sind sie nicht nur mit steigenden Schäden in Deutschland selbst konfrontiert, sondern auch mit den immer höheren Schäden im Ausland. Dort steigen zum Teil nicht nur Schäden an, sondern auch Fallzahlen. Insbesondere in Schwellenländern lauern zwar attraktive Absatzmärkte, aber auch zahlreiche Exportrisiken.

Die Schäden durch Insolvenzen dürften demnach auch 2017 weiterhin hoch sein – zumal Euler Hermes für das kommende Jahr in Deutschland von stagnierenden Fallzahlen bei den Unternehmensinsolvenzen ausgeht. Es wird ganz sicher kein schlechtes Jahr für die deutsche Wirtschaft, die sich auch im schwächelnden Welthandel und steigenden Wettbewerbsdruck sehr gut behauptet.

Trotzdem ist Vorsicht geboten: Neben geopolitischen Risiken durch zahlreiche Neuwahlen oder politische Konflikte, Protektionismus und steigenden Handelsbarrieren oder Brexit-Unsicherheiten kommen die Schäden durch Zahlungsausfälle zurück – gut getarnt hinter sinkenden Fallzahlen. Ein Wolf im Schafspelz, den man besser im Auge behalten sollte.

Bild: Ron van het Hof, CEO DACH Euler Hermes. (Quelle: Euler Hermes)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

Verlag Versicherungswirtschaft | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten