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Finanzmärkte rechnen mit Crash

22.11.2016 – Blase_Sigrid Harig_pixelio.deIn Zeiten volatiler Märkte und hoher Handelsvolumina sorgen sich Investoren zunehmend vor Finanzkrisen, das hat Union Investment herausgefunden: Die Mehrheit (55 Prozent) der im Auftrag von Union Investment befragten europäischen Großanleger sieht gegenwärtig ein verstärktes Herdenverhalten an den Kapitalmärkten und ein dadurch deutlich gestiegenes Risiko für Crashs. Doch wie entstehen eigentlich Blasen und Krisen?

Martin Hellmich von der Frankfurt School of Finance & Management hat die Frage nach neuen Finanzmarktblasen in seiner aktuellen Risikomanagementstudie untersucht. Dabei trifft er die Annahme: Bewegungen an den Finanzmärkten lassen sich nicht einfach als Zusammenspiel rationaler Finanzmarktakteure erklären.

Seine zentrale Fragestellung lautet: Wie könnte ein Modell aussehen, mit dem sich Finanzmarktkrisen in einem System heterogener Erwartungen und sich selbst verstärkender Dynamiken erklären und vorhersehen lassen? In einem solchen System bilden sich Vermögenspreise stets neu, wobei es zu Rückkoppelungseffekten kommt. Preisschwankungen resultieren dabei wesentlich daraus, dass Investoren ihre Anlagestrategien wechseln.

Kommt es zu externen Schocks, sind die Marktteilnehmer gezwungen, ihre Erwartungen zu revidieren. Eine politische Entscheidung kann einen solchen Schock darstellen. Investoren passen ihr Portfolio dann entsprechend an, was sich auf die Marktpreise auswirkt. Investieren alle in die gleiche Richtung, sprechen Experten von einem “Herdentrieb”.

Interessant ist: Weder der Brexit noch die Wahl Donald Trumps zu einem Schock an den Märkten geführt. Das sei auch auf das Vertrauen der Anleger in die Notenbanken zurückzuführen. “Ein Sieg von Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl wäre dagegen für die EU und die Währungsunion eine kaum zu bewältigende Belastungsprobe”, warnt Prof. Hellmich.

Welche Tragweite ein Schockereignis hat, hängt wesentlich von Rahmenbedingungen wie regulatorischen Vorgaben ab. Schlimmstenfalls wird eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die zu Notverkäufen der Anleger führt, so dass die Turbulenzen auch auf ursprünglich nicht betroffene Segmente des Finanzmarkts übergreifen.

“Mit Modellen, die die unterschiedlichen Erwartungen der Marktteilnehmer und die daraus resultierende dynamische Marktentwicklung berücksichtigen, lassen sich sowohl Finanzmarktanomalien als auch Blasenbildungen kausal erklären. Solche Modelle erfordern allerdings umfangreiche Daten über Finanzmarktstrukturen und Finanzmarktzeitreihen”, so Hellmich. (vwh/mv)

Bild: Seifenblase (Quelle: Sigrid Harig / pixelio.de)

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