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Falsche Kunst, richtig versichert

11.04.2014 – Fälschungen bedeuten eine Herausforderung im Schadenfall. Kunden begehren zunehmend auch Deckung gegen Fälschungs- und Provenienzrisiken. Beim dritten Kölner Kunstversicherungsgespräch auf der Kölner Messe mischten sich mitunter offener Hass und versteckte Bewunderung für begabt-dreiste Kunstfälscher wie Wolfgang Beltracchi, das Motto lautete “Falsche Kunst – Richtig versichert”.

Die weltweite Kunstversicherung bringt es laut Stephan Zilkens auf ca. 1,1 Mrd. Euro an Prämie. Hiervon entfallen 300 Mio. Euro auf Lloyd’s Syndikate und knappe 200 Mio. Euro auf Axa. Weitere Mitspieler sind Uniqa, Nationale Suisse und Allianz. Provenienz und Echtheit spielten bislang im Underwriting außer bei offensichtlichen Fällen noch keine große Rolle, im Schadenfall – Beschädigung, bei Totalverlust schlüge jeder Beweisversuch fehl – hingegen könne sich insbesondere die Fälschung des Objekts herausstellen. Denkbar sei dann eine entsprechende Reduzierung der Ersatzleistung, je nach vereinbartem Policenwording und Grad der mangelnden Kunden-Sorgfalt. Dies werde dann zwischen den Parteien verhandelt.

Laut Petra Eibel von Uniqa führe diese Konstellation in der herkömmlichen Sachversicherung auf agreed value basis jedenfalls nicht zu einer herabgesetzten Ersatzleistung. Dirk Heinrich von Axa Art wies allerdings auf die Handhabung der „versicherten Taxe“ im deutschen Recht hin. Stephan Zilkens wagte die These,  40 Prozent der versicherten Werke seien in Punkto Echtheit problematisch. Der chinesische Vasen- und Tabubrecher Ai Wei Wei residiert beispielsweise unter der Pekinger Hausnummer „218 Fake“. Die Sammler seiner Werke sind somit vorgewarnt.

Warum aber die Fälscher derart erfolgreich sind, erörterten zwei Podiumsdiskussionen: Zum einen fehle es an Werkdokumentationen, Galeristen und Auktionshäuser hätten geringe Skrupel in Zeiten der Angebotsverknappung durch prestigemotivierte Sammler. In manchen Fällen sei die Naivität der Kunden offenkundig, auch die Expertise nicht immer ordnungsgemäß. Oft scheuten Opfer auch den Kontakt mit der Justiz, die sich ihrerseits wiederum nicht detailliert mit Kunstdelikten auseinandersetzt. (cpt)

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