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Externe Ratings: Nur Meinung – keine Garantie

23.10.2014 – Rating_Dieter Schuetz_pixelio„Was liefert eine Rating-Agentur an Mehrwert für Kapitalanlagen?“ Diese provokante Frage stellte Johann-Matthias Graf von der Schulenburg, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Versicherungswissenschaften in Hannover auf einer gemeinsam mit der Norddeutschen Landesbank veranstalteten Tagung. Hintergrund: die mit der Einführung von Solvency II steigende Bedeutung von Ratings für die Kapitalanlagen von Versicherungen.

Johannes Bender von Standard & Poor’s in Frankfurt, der weltweit mit Abstand führenden Rating-Agentur, sieht in externen Bewertungen nur eine Entscheidungshilfe, ein Element, das helfen kann. Ratings sind nach übereinstimmender Meinung aller Redner Meinungen zu Anlagequalitäten. Nicht mehr und nicht weniger. Es gibt kein richtig oder falsch. Und sie sind keine Garantien für Sicherheit oder Kreditwürdigkeit.

Dennoch war man sich einig, dass die Bedeutung von Ratings weiter stark zunehmen wird. Allerdings setzen Unternehmen verstärkt auch auf den Aufbau eines internen Ratings, was von den Aufsichtsbehörden nicht nur akzepiert, sondern auch verstärkt befördert wird. Sie wollen die Abhängigkeit von externen Ratings verringern und Anreize zur eigenen Risikobewertung schaffen. Dazu gehört, dass die Bewertungen von Rating-Agenturen nicht mehr sakrosant sind. Sie können im Zweifelsfall auf Grundlage interner Ratings überschrieben werden.

Meik Friedrich von der Hochschule Weserbergland verweist jedoch auf das Kostenproblem. Internes Rating ist teuer. Die qualitative Analyse sei ressourcenintensiv. Ebenso die Datenbeschaffung und das -Managment. Die qualitativen Kompentenzanforderungen seien hoch. Ein internes Rating könnten sich nur die großen Versicherungskonzerne leisten.

Die Bewertung durch Rating-Agenturen hält Arne Russmann von der Hannover Rück trotz internen Ratings dennoch für wichtig. Sie halte die Finanzierungskosten niedrig, bringe mehr Geschäfts-Angebote und höhere Zuteilungen bei Quotierungen und bei Kunden-Rating niedrigere Risikokapital-Belastungen. Das externe Rating bei Kapitalanlagen sei jedoch nur eine Benchmark, eine Nebenbedingung. Russmann untermauerte dies mit dem Hinweis auf die total falsche Bewertung von strukturierten Bankprodukten durch die Rating-Agenturen. Er hält daher die interne Perspektive mit Blick auch auf die unterschiedlichen Ansätze bei der Kapitalunterlegung von Investments für unabdingbar.

Nicht von der Hand zu weisen ist den Rednern zufolge, dass sich das Risikomanagement durch die Vorgaben von Solvency II bereits erheblich verbessert hat. Die Folge ist jedoch auch, dass sich der Aufwand bzw. die Kosten der Kapitalanlage enorm erhöht haben – und dies vor dem Hintergrund niedriger Renditen. Dies Problem jedoch würde sich allerdings erledigen, wenn die Zinsen wieder bei 4 Prozent lägen. (cs)

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