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Evolutionär – revolutionär – disruptiv

26.10.2016 – hofkirche_akSo lautet heute die Steigerung, wenn die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Geschäftsmodelle der Versicherungswirtschaft projiziert werden. Doch niemand in der Finanz- und Versicherungsindustrie will passiv die digitale Welle auf sich zukommen lassen, sondern aktiv mitgestalten – getreu dem Leitgedanken: “Zukunft durch Banken und Versicherungen – Geschäftsmodelle im Umbruch”.

Es sind spannende Zeiten, nicht nur für Vorstände, Mitarbeiter, Vertriebler, Kunden und Produktentwickler. Auf dem zehnten Bayerischen Finanzgipfel in der Münchener Residenz zermartern sich Experten die Köpfe darüber, wie der digitale Wandel erfolgreich bewältigt werden kann und welche Produkte mit welchen Partnern designt und adressiert werden sollen.

Eines ist sicher: Der Wandel ist in vollem Gange, wird aber nie wieder so langsam sein wie jetzt. Andreas Dombret, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, verglich neue Ansätze und Geschäftsmodelle in seiner Keynote Speech zur Eröffnung des diesjährigen Finanzgipfels mit den Überlebensstrategien der Natur: Wer sich nicht einem Schicksal wie dem des vom Aussterben bedrohten Pandabären abfinden wolle, müsse Veränderungen akzeptieren und diese als Chance und nicht als Risiko begreifen.

Beispiel Generali: Die deutsche Tochtergesellschaft des italienischen Versicherungsriesen, seit kurzem Zeit mit ihrem Hauptsitz von Köln nach München verzogen – ins “deutsche Silicon Vally”, wie es heißt – irritiert derzeit Öffentlichkeit, Mitbewerber und nicht zuletzt die Medien mit einer Palette an neuen Produkten. Diese sind biometrisch organisiert und belohnen aktive Bewegungsprofile, gesundes Ernährungsverhalten oder vorsichtiges Autofahren.

“Nudging” nennt sich diese aus der Politik übernommene Strategie, die Anreize beim Kunden schaffen soll. Sie wurde, so Generali Deutschland-Chef Giovanni Liverani, in Italien sehr erfolgreich eingeführt und nun auch in Deutschland ein großer Erfolg, seit der Einführung der sogenannten Vitality-Tarife Mitte des Jahres. Konkrete Zahlen wollte Liverani nicht nennen. Eine Segmentierung und damit Entsolidarisierung der Versichertengemeinschaft kann der Manager nicht erkennen.

Mit diesem Ansatz habe man die Versicherung “neu erfunden”, so Liverani weiter. Schließlich würde man seine eigenen Daten solidarisieren, wovon das Kollektiv profitiere. Zukünftig werde man keine Garantien mehr versprechen. “Hybride Produkte”, die bei der Generali schon einen Anteil von 26 Prozent erreicht haben, würden weiter forciert, gleichzeitig würden die Kosten weiter gesenkt (bisher minus 300 Mio. Euro in 2015).

Die Branche solle “nicht lamentieren” sondern sich auf ihre eigene Kreativität besinnen. Risiken managen sei die vornehmste Aufgabe der Assekuranz, nicht das Management von financial spreads. Die Zukunft der Versicherer könne laut Liverani eine “bright future”, wenn folgende drei Bedingungen beherzigt werden: Realismus, Kostenkontrolle und Kreativität. Die Einzelheiten hier im Video:

Frank Walthes, Vorstandsvorsitzender der Versicherungskammer Bayern (VKB), sah in seiner Thesenvorstellung eine seit 2008 herrschende Staatsschuldenkrise, die eine Null-Zinskrise und diese wiederum eine Vertrauenskrise in breiten Bevölkerungsschichten ausgelöst habe. Dem will die VKB mit fünf Kernthesen entgegenwirken: Kundennähe, Expertise, Nachhaltigkeit, Offenheit und Wertorientierung bzw. Unternehmenskultur.

Wer künftig zu den Gewinnern zählen will, ist Walthes überzeugt, benötigt gerade im Privatkunden- und auch im Gewerbegeschäft lokale und vor Ort verankerte Geschäftsmodelle. Diese brächten ein tiefes Kunden- und Risikoverständnis. Nicht zuletzt im gesellschaftlichen Engagement sieht der CEO einen integralen Bestandteil unternehmerischen Wirkens. “Der ehrbare Kaufmann” sei schließlich das Leitmotiv der VKB.

Eine umfangreiche Agenda zur Sicherung des Geschäftsmodells hat sich auch Wolfgang Weiler, Vorstandssprecher der Huk-Coburg-Holding AG aufgegeben: “Wir kämpfen heute um den Zugang zum Kunden”, ist sich Weiler sicher. Um diesen zu halten müssten auch die Kfz-Versicherer “viel, viel mehr leisten, als in der Vergangenheit”. “Problemlöser” wolle man zukünftig sein und Ansprechpartner rund um alle Fragen der Mobilität. Vom Autokauf übers Tanken, Parken, Autowäsche und die Pannenhilfe bis hin zum Autoumbau und Tuning habe man zahlreiche neue Kundenbedürfnisse identifiziert.

Damit traf sich Weiler in seiner Argumentation mit Generali-Chef Liverani. Schließlich ist es in der Autoversicherung unter den Kunden wie unter den Dienstleistern Konsens, dass Risiken höchst individuell berechnet werden, abhängig von Fahrzeug, Wohnumgebung oder Erfahrung. Jetzt werden diese Potenziale auch in anderen Risikobereichen gehoben.

(vwh/ak)

Bild: Die Allerheiligste Hofkirche war bis auf den letztzen Platz gefüllt. (Quelle: Alexander Kaspar)

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