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Europäische Naturkatastrophen-Pools im Vergleich

27.04.2016 – hochwasser-763Schäden aus Erdbeben, Hochwasser und anderen Naturkatastrophen werden in einigen europäischen Ländern im Rahmen verschiedener Naturkatastrophenpools abgesichert. Diese Pools können die lokalen Marktverhältnisse stabilisieren, stellen Experten von A.M. Best heraus. VWheute gibt einen Überblick über die wichtigsten Pools.

Überblick der großen europäischen Naturkatastrophenpools:
Frankreich: In Frankreich wird ein Rückversicherungsmodell via Zuschlagsprämie betrieben. Das Inkasso erfolgt durch den privaten Sektor. Der Versicherer CCR ist der staatliche Rückversicherer, der Zedenten, die in Frankreich aktiv sind, mit Deckungen für Naturkatastrophen und anderen nicht versicherbaren Risiken versorgt. Es besteht zwar kein Monopol, aber 95 Prozent der Zessionen laufen über CCR. Es bedarf jeweils der staatlichen Erklärung, dass ein CatNat-Ereignis vorliegt. Jedes Schadenereignis hat somit auch eine politische Komponente.

Spanien: In Spanien springt das Consorcio de Compensacion de Seguros bei Naturkatastrophenschäden ein. Hierbei handelt es sich um eine staatliche Pflichtversicherung für Katastrophenrisiken. Zuschlagsprämien werden auf Basis der Versicherungssumme erhoben. Eingesammelt werden die Prämien durch den privaten Sektor, aber rechtlich ist dies eine parallele Erstversicherungsdeckung für Ausschnittsgefahren. Es gilt eine Staatsgarantie, die aber noch nicht zum Zuge gekommen ist. Das Consorcio operiert dort, wo private Märkte versagen und deckte gar zwei Jahre lang Kreditrisiken, allerdings innerhalb eines separaten Profit Centers.

Großbritannien: Das Scheme UK Flood Re übernimmt nur die Hochwasserrisiken von Domestic Households und auch das nur, soweit die Gebäude vor 2009 errichtet wurden. Pool Re ist auf 25 Jahre beschränkt, anschließend sollte der private Markt diese Risiken wieder decken können. Die private Assekuranz leistet eine jährliche Zwangsabgabe von 180 Mio. Pfund, verteilt je nach Marktanteil. Zedenten wählen abzugebende Risiken aus, allerdings unter Verhinderung einer Antiselektion. Wie die Kosten dieser Ausschnittsrückversicherung in die Erstversicherungs-Preisfindung eingehen, bleibt jedem Marktteilnehmer überlassen. Mittelfristig wird eine Risikoverbesserung angestrebt, nach 25 Jahren soll das Scheme überflüssig werden. Es gibt keine Staatsgarantie. Rückversicherung wird auf Basis 1/250 Jahre eingekauft. Es besteht die Möglichkeit einer zusätzlichen Umlage auf die Mitglieder.

Deutschland: In Deutschland gibt es keine staatlich organisierte Pflichtversicherung gegen Naturgefahren. Nach den jüngeren Flutschäden 2013 war allerdings wieder verstärkt über Versicherungspflicht und Staatsgarantien diskutiert worden.

Italien: In dem südeuropäischen Land besteht aufgrund der vulkanisch geprägten Geographie eine erhebliche Exponierung, versichert ist jedoch nur ein Bruchteil. Im Fall des Aquila Ereignisses 2008 waren lediglich 0,25 Mrd. Euro von dem gesamtwirtschaftlichen Zehn-Milliarden-Euro-Schaden gedeckt. Im Fall des Emilia Romagna Ereignisses war sogar lediglich nur eine Mrd. Euro versichert. Der gesamtwirtschaftliche Schaden lag bei zwölf Mrd. Euro. Derzeit laufen Diskussionen zwischen dem Versicherungsverband ANIA und der Regierung, was reduzierte Prämiensteuern, Zwangsdeckungen und staatliche Risikoübernahme betrifft. (cpt)

Bildquelle: Archivbild

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