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Ernteeinbruch durch Trockenheit und Russland-Sanktionen

19.08.2015 – Getreide_by_uschi dreiucker_pixelio.deElf Prozent weniger Getreideernte als im Vorjahr – das ist die Bilanz eines trockenen, heißen Sommers aus der Sicht der Landwirte. Dies geht aus dem Erntebericht des Deutschen Bauernverbandes (DBV) hervor. Auch die Auswirkungen des Russland-Embargos bereiten den Bauern Sorgen.

Im Vorjahr ernteten die Bauern noch 52 Mio. Tonnen oder elf Prozent mehr, was der höchste Wert aller Zeiten war. In diesem Jahr fällt die Erntebilanz der deutschen Bauern wegen der extremen Trockenheit mager aus. Diese Bilanz zog der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, anlässlich der Erntepressekonferenz in Berlin.

Allerdings gebe es regionale Unterschiede. Im äußersten Süden Baden-Württembergs und Bayerns sowie in Schleswig-Holstein hätten die Bauern “eine ordentliche Ernte einfahren können”, sagte Rukwied. Im übrigen Land sei die Ernte wegen der starken Trockenheit “deutlich unterdurchschnittlich” ausgefallen. In manchen Regionen Deutschlands müssten die Landwirte “40 bis 50 Prozent Einbußen hinnehmen”.

Die Ernte-Einbußen waren je nach Fruchtart unterschiedlich hoch. Da Mais besonders auf reichliches Wasser angewiesen ist, ist er mancherorts fast vollständig vertrocknet. Auch die Rapsernte fällt mit knapp fünf Mio. Tonnen unterdurchschnittlich aus. Die Trockenheit im Frühjahr hat vor allem Winterweizen, Roggen und Sommergerste geschadet. Bei der Apfelernte erwarten die Bauern ein Minus von 20 Prozent, auch die Kirschernte sei im Schnitt um fünf Prozent niedriger ausgefallen.

Auch mit Preiseinbrüchen hatten die Bauern zu kämpfen. “Der Preisverfall insbesondere bei Schweinefleisch, Milch, aber auch bei Getreide, Obst und Gemüse addiert sich seit dem Jahresbeginn auf eine Größenordnung von deutlich über drei Mrd. Euro an Erlösen, die der deutschen Landwirtschaft im Vergleich zum Vorjahr fehlen. Dieser Erlöseinbruch entspricht rund einem Drittel der Nettowertschöpfung der gesamten Landwirtschaft, also der landwirtschaftlichen Einkommen”, sagte Rukwied.

Die Investitionsbereitschaft der Landwirte wird dadurch laut Rukwied spürbar gedämpft: Im zweiten Halbjahr wollen sie nur noch vier Mrd. Euro statt üblicherweise etwa sechs Mrd. in die Hand nehmen.

Der Bauernverband fordert deswegen Dürre-Nothilfen in Form von Bürgschaftsprogramm des Bundes, Stundung von Steuerschulden und die Einführung der seit langem vom DBV geforderten Risikoausgleichsrücklage. Ähnliche Maßnahmen hatte es für Milchbauern infolge der Preiskrise von 2008 und 2009 gegeben. Rukwied erwartet auch vom Sondergipfel der EU-Agrarminister am 7. September 2015 in Brüssel konkrete Beschlüsse zur Unterstützung der europäischen Landwirte.

Die Export-Verluste durch das Russland-Embargo bezifferte Rukwied auf 600 bis 700 Mio. Euro. Außerhalb der Europäischen Union sei Russland neben der Schweiz und den USA bislang das größte Exportland gewesen. (vwh/dg)

Bildquelle: Uschi Dreiucker / pixelio.de

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