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Erdbeben: Versicherer sehen epochale Herausforderung

02.11.2016 – beben_italien_dpaNach der verheerenden Erdbebenserie in Mittelitalien ist die Zahl der Obdachlosen in den betroffenen Regionen auf mehr als 40.000 gestiegen. Die Menschen sollen nun an die Küste gebracht und in leerstehenden Hotels einquartiert werden, da ein Verbleiben in den zerstörten Orten zu gefährlich ist. Das jüngste Beben hatte eine Stärke von 6,5, wie das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie ermittelte.

Nach Angaben der Wissenschaftler handelt es sich um das stärkste Beben seit 1980. Auch wenn es keine Todesopfer zu verzeichnen gibt, ist das Ausmaß der Zerstörung von Wohngebäuden, Infrastruktur und historischer Bausubstanz schlimmer als je zuvor. Der Schaden dürfte nach ersten vorsichtigen Schätzungen von Experten mindestens vier Mrd. Euro betragen. Besonders betroffen ist die umbrische Stadt Norcia. Der gesamte Bereich des historischen Stadtkerns ist weiträumig abgesperrt, die unzähligen Nachbeben machen Bergungsarbeiten derzeit fast unmöglich. Die Gebäude und Fassaden sind instabil, die Rettungskräfte selbst in Gefahr.

Italiens Regierungschef Matteo Renzi sagte den Menschen in der Erdbebenregion nach dem neuerlichen Erdstoß sofortige Hilfe zu. “Wir werden alles wieder aufbauen: die Häuser, die Kirchen und die Geschäfte”, versprach Renzi nach einer Krisensitzung des Kabinetts in Rom und forderte europäische Solidarität ein. Statt Zeltstädte sollen – angesichts der kalten Jahreszeit – nahe an den zerstörten Ortschaften bis Weihnachten Tausende von festen Unterkünften entstehen, um die obdachlosen Einwohner aufzunehmen.

Die fortdauernden Erschütterungen sind laut Seismologen eine Folge der verheerenden Erdstöße im Sommer rund um das Bergstädtchen Amatrice. “Das Beben gehört klar zu einer Sequenz”, erklärt der Seismologe Domenico Giardini. “Das heißt, es handelt sich hier nicht um normale Nachbeben, sondern um Beben innerhalb einer Sequenz, wie sie für den Apennin typisch sind. Eine derartige Serie kann sich über mehrere Monate hinziehen, die Beben können jeweils größer oder kleiner ausfallen. Wir haben keine Indizien, wann sich die Aktivitäten wieder beruhigen. Es könnte noch zu weiteren starken Beben kommen.”

Der Gesamtverband der italienischen Versicherungen “ANIA” rief unterdessen zu einem nationalen Pakt der Erdbeben-Prävention auf. Der Wiederaufbau müsse den modernsten Maßstäben der Einsturz-Sicherheit genügen. Außerdem gelte es, mit einem immensen Kraftakt die historischen Gebäude und mittelalterlichen Ortskerne insbesondere in den Regionen des Zentrums seismisch zu abzusichern, damit sie auch in Zukunft bewohnbar bleiben könnten. Auch die zahlreichen Kunstschätze müssten vor möglicher Zerstörung bewahrt werden. Technologisch und ökonomisch sei dies eine epochale Herausforderung, der das Land sich nun stellen müsse. (mf)

Bild: Erdbeben in Italien / dpa

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