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Einigung Griechenlands mit Troika ist wahrscheinlich

27.01.2015 – Tsipras_FrangiscoDerKommentare fordern bereits Restriktionen gegen die neugewählte griechische Regierung oder malen gar mögliche Auswirkungen eines Grexit aus: Kreditversicherer Euler Hermes rechnet jedoch im Nachgang der Griechenland-Wahlen damit, dass es zu einer Einigung mit der EU-Troika kommt. Die Griechen um Alexis Tsipras würden dafür, so Chefökonom Ludovic Subran, für einige Jahre die Zinsen von EU und Rettungsschirm auf null Prozent gestellt bekommen.

“Damit würden die EU-Mitgliedsstaaten zwar auf Gewinne verzichten, aber keine Verluste erleiden – und die griechische Wirtschaft würde gleichsam entlastet”, rechnet Ludovic Subran vor. Einen Ausstieg aus der Währungsunion, der sogenannte Grexit, hält er trotz des Wahlsieges der Syriza-Partei, nicht für wahrscheinlich.

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) fordert indes gleich einen konsequenten Kurs gegenüber reformunwilligen EU-Krisenstaaten. Schon die Androhung des Grexits müsse laut IW-Direktor Michael Hüther unter Strafe gestellt werden: er kritisiert, dass die EU es bis dato nicht geschafft habe, dies rechtlich zu fixieren.

“Der Wahlsieger Alexis Tsipras darf das Vertrauen in Griechenland jetzt nicht erschüttern”, sagt Markus Kerber, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI): “Die Hälfte der Strecke ist geschafft. Die Investitionen ziehen wieder an, erste Erfolge stellen sich ein. Mit einer guten Wirtschaftspolitik hätte Griechenland alle Chancen, seine Lage erheblich zu verbessern.“

“Da die griechische Wirtschaft sich schon einigen Jahre in ernsten Schwierigkeiten befindet, wird der Wahlausgang keine Auswirkungen auf unsere Kreditversicherungsengagements haben”, erklärt Erich Hieronimus, Pressesprecher von Kreditversicherer Coface in Deutschland auf Anfrage von VWheute: “Die Länderbewertung ist schon seit Anfang 2012 in C, was ein sehr hohes Risiko für Zahlungsausfälle im B2B bedeutet. Unsere Länderbewertung bezieht sich auf das wirtschaftliche Risiko bei Geschäften zwischen Unternehmen, nicht die Bonität des Staates.”

Als Kreditversicherer beobachte man aber sehr genau die Auswirkungen politischer Entscheidungen und Ereignisse auf die Realwirtschaft.

Hieronimus: “Die Wahl vom Sonntag ist keine Zäsur in der Risikobewertung und Deckungspraxis. Wir übernehmen weiterhin das wirtschaftliche Risiko, basierend auf der individuellen Geschäftsbeziehung des Versicherungsnehmers mit seinen Kunden in Griechenland, der Einzelfallprüfung.”

Kreditversicherer Atradius hatte bereits vor dem Ausgang der Wahlen die möglichen Auswirkungen eines Grexit nicht als regional begrenzt eingeschätzt.

Die Politik reagierte eher verhalten auf den Ausgang der Wahlen (siehe POLITICS). (vwh/ku)

Bild: Alexis Tsipras, der künftige griechische Ministerpräsident. (Quelle: FrangiscoDer)

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