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Die prekäre Gesellschaft

16.12.2014 – familie_auf_dem_baum_150Die Arbeitswelt ist im Wandel, höhere Flexibilität sowie eine Zunahme von Zeitverträgen und befristeten Anstellungen prägen die berufliche Wirklichkeit für einen immer größeren Teil der Beschäftigten, mit gravierenden Auswirkungen auf die Lebensplanbarkeit der Betroffenen. Diese Verunsicherung reicht bis weit ins bürgerliche Lager hinein. Von Nadine Absenger, Leiterin Referat Arbeits- und Sozialrecht am Hans-Böckler-Institut.

Als Knackpunkt für die Altersvorsorge hat Nadine Absenger die immer weiter um sich greifenden “atypischen”  Beschäftigungsverhältnisse identifiziert. Diese seien Schuld daran, das die Menschen nichts mehr zurücklegen und sich nur noch von Job zu Minijob, von Selbständigkeit ohne Angestellte zu Arbeitslosigkeit hangelten, mit verheerenden Auswirkungen auf die langfristigen Vorsorgepläne:

Im Detail sieht der deutsche Arbeitsmarkt derzeit wie folgt aus: Es gibt rund 42 Millionen Erwerbstätige. Etwa zwölf Prozent der Erwerbstätigen sind Selbständige, ein Großteil von ihnen – immerhin mehr als die Hälfte (57 Prozent) – sind soloselbständig, das heißt selbständige Unternehmer ohne eigene Beschäftigte. Gut neun Prozent der Arbeitnehmer sind befristet beschäftigt (ca. 2,7 Millionen), 1996 betrug der entsprechende Anteil gerade einmal knapp fünf Prozent.3 Etwas mehr als zwei Prozent der abhängig Beschäftigten sind Leiharbeitnehmer; Ende 2013 waren es ca. 815.000 Leiharbeitnehmer, 4 1991 waren es gerade einmal 130.000. Zugenommen hat auch die Anzahl von Minijobbern. 2013 gab es in Deutschland 7,4 Millionen Minijobber (bis zu 450 Euro/Monat); 4,8 Millionen von ihnen waren ausschließlich in einem Minijob tätig; 2,6 Millionen der Minijobber haben den Minijob als Nebenjob.5 Zudem gibt es derzeit knapp drei Millionen registrierte Arbeitslose in Deutschland; der Anteil Langzeitarbeitsloser, das heißt Personen, die ein Jahr und länger arbeitslos sind, beträgt immerhin gut 30 Prozent, so Absengers Bilanz.

Letztendlich sind die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt einer auf Vorsorge und finanzielle Absicherung ausgerichteten Lebensplanung abträglich und bedenklich. Sie bieten weder die für Produktivität und Arbeitszufriedenheit notwendige Beschäftigungssicherheit noch ermöglichen sie Vorsorge, Sparen und finanzielle Lebensplanung.

Entsprechende Reformen zur Eindämmung sind nötig, auch weil atypische Beschäftigungsverhältnisse nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber negative Auswirkungen haben, denn die Arbeitszufriedenheit atypisch Beschäftigter ist geringer, ebenso ihre Motivation und Identifikation mit dem Unternehmen sowie ihre Produktivität.

Die vollständige Betrachtung von Nadine Absenger ist in dem neuen Special der Versicherungswirtschaft, VALUE - vom Wert der Vorsorge, Heft 4/2014 erschienen. (vwh)

Bild: Screenshot VALUE – vom Wert der Gesundheit, Heft 4/2014.

Link: VALUE

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