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“Die fetten Jahre sind vorbei”

28.01.2016 – Varoufakis Fonds Kongress - dgAuf dem Fonds Professionell Kongress im Mannheimer Rosengarten überbieten sich Promis und Experten der Investmentbranche in Untergangsszenarien für die Weltwirtschaft. Renminbi-Abwertung, Überschuldung, niedriger Ölpreis und machtlose Zentralbanken werden als Quellen für ein extrem volatiles Börsenjahr 2016 vorausgesagt. Nur Griechenlands Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis vermochte zum Auftakt mit seinen – teilweise steilen – Thesen die Stimmung aufzuhellen. Kommentar eines Teilnehmers: “Er verkauft sich gut.”

Der Vortragstitel des Starinvestors Bert Flossbach – “Die fetten Jahre sind vorbei” – beschreibt in Kürze die Stimmung auf dem mit mehr als 200 Ausstellern und 6.000 Besuchern in Mannheim stattfindenden 15. Fonds Professionell Kongress.

Obwohl Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI), für das vergangene Jahr europaweit überdurchschnittliche Zahlen für die deutsche Fondsbranche – insbesondere bei den Mischfonds – präsentiert, prophezeien die meisten Fondsverwalter eine Ende der fetten Jahre. “Klassische Mischfonds werden sich in der Zukunft sehr viel schwerer tun. Gute Renditen erzielen nur noch Unternehmens-und Hybridanleihen”, sagt der Chef der Flossbach von Storch AG. Bernd Ondruch von Astellon Capital ist bärisch eingestellt und will aufgrund der China-Blase die Hälfte der Rendite über die Shortseite verdienen.

Yanis Varoufakis erinnert daran, dass den Emerging Marktes in der letzten Finanzkrise eine wichtige Rolle zugekommen sei. “Sie haben die Wirtschaft in den westlichen Exportländern stabilisiert. Nun ist China selbst extrem überschuldet.” Peter E. Huber von StarCapital entgegnet: “Das Land hat keine Auslandschulden. Chinas Gesamtverschuldung ist niedriger als die Europas. Japans Verbindlichkeiten sind dramatischer und das seit Jahren und das kümmert keinen.” Selbst Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust wird zum China-Experte: “Das Land braucht Wachstumsraten von neun bis zehn Prozent, damit die Wanderarbeiter im Land überhaupt Arbeit haben.”

Fonds Kongress - dg

Ondruch stimmt hingegen Varoufakis zu: “Die Kreditvergabe ist explodiert. Seit 2007 hat sich das chinesische Bankensystem vervierfacht. Nur eine Renminbi-Abwertung wird dem Land helfen.” Doch diese wird für extreme Volatilität am Markt sorgen und den Dax mitreißen, sie müsse geordnet ablaufen, rät Flossbach. Der Dachfondsmanager Eckhard Sauren glaubt nicht, dass Pekings Regierung den Kurs lange stützen kann: “Dafür nimmt sie derzeit monatlich 100 Mrd. US-Dollar in die Hand. Die Währungsreserven sind bald aufgebraucht.”

Pesarini Fonds Kongress - dg

Fed und EZB können nur zuschauen, ohnehin sei ihr Machtzenit überschritten. Quantitative Easing habe die Wachtumsprobleme nicht gelöst, lautete unisono das Urteil der Fondsmanager. “Die Zentralbanken haben ein gigantisches Chaos verursacht. Geld muss wieder einen Wert haben. Die Fed ist wieder auf dem richtigen Weg”, sagt Luca Pesarini, Verwaltungsratsvorsitzender von Ethenea. Flossbach hingegen bezweifelt, dass einer aus dem Publikum jemals wieder ein Zinsniveau von vier bis fünf Prozent miterleben werde. (dg)

Bild: Auf dem Fondskongress in Mannheim erwarteten 200 namhafte Aussteller aus dem In- und Ausland den Ansturm von rund 6.000 deutschen Finanzberatern und Vermögensverwaltern, die begeistert dem Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis (Bild oben) und Luca Pesarini (Bild unten) lauschten. (Quelle: dg)

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