Versicherungswirtschaft-heute

          Mobilversion

 

Die Angst der Deutschen ums liebe Geld

04.09.2015 – schmidt_epoMehr als alles andere fürchten wir Deutschen, dass wir im Zuge der Euro-Schuldenkrise noch stärker als bisher zu Kasse gebeten werden. Da verliert sogar die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten ihren Schrecken. Mit diesen bemerkenswerten Ergebnissen wartet die diesjährige, insgesamt bereits 24. Studie der R+V Versicherung “Die Ängste der Deutschen” auf, die gestern in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach haben 64 Prozent (vier Prozent mehr als 2014) der insgesamt 2.400 Befragten Angst vor den finanziellen Folgen der Eurokrise auf den deutschen Steuerzahler – die absolute Nummer Eins auf der Hitliste der Bangemacher. Damit löst sie den bisherigen langjährigen Spitzenreiter – die Sorge um steigende Lebenshaltung – ab. Dieser fiel um zehn Prozent (48 Prozent) und musste der Furcht vor Naturkatastrophen (53 Prozent), vor Terrorismus (52 Prozent), vor Pflegebedürftigkeit im Alter (49 Prozent), vor Zuwanderung (49 Prozent) und Überforderung der Politik (48 Prozent) den Vortritt lassen.

Auffällig an den 2015er Ergebnissen: Die vielfältigen Bedrohungen von Außen werden als so fundamental empfunden, dass klassische wirtschaftliche Ängste wie Arbeitslosigkeit, schlechte Wirtschaftslage oder Altersarmut als weniger dramatisch eingestuft werden. Vor allem terroristische Anschläge halten 13 Prozent mehr Befragte als 2014 für ernste Risiken, was nach Auffassung des Heidelberger Politologen Manfred G. Schmidt, der die R+V seit Jahren bei der Auswertung ihrer Studie unterstützt, nicht verwundere.

Die ausführliche mediale Behandlung des Themas und der weitverbreitete Pazifismus in Deutschland seien Gründe für diese Einschätzung. Und auch die Sorge der Hälfte der Befragten, dass der anhaltende Flüchtlingsstrom die Bürger und Politiker des Landes überfordere, sei nachvollziehbar angesichts der derzeitigen Rat- und Tatenlosigkeit der Politiker. “Ich finde es gut, dass sich die Deutschen unter dem Eindruck der gegenwärtigen realen Verschiebungen in der Welt offenbar eine eigene, kritische Meinung leisten, die nicht immer mit der Meinung der Politik übereinstimmt”, bemerkte Schmidt.

Zu den interessanten Ergebnissen der Studie zählt, dass die Frauen offenbar doch nicht die Angsthasen sind, für die sie gern gehalten werden. Denn dass der sogenannte “Angstindex” über alle abgefragten Ängste bei 39 und damit gering geblieben ist, hat man vor allem der Tatsache zu verdanken, dass das zarte Geschlecht mutiger geworden ist. Anders als die Männer, die in 14 Fällen mehr Furcht haben als 2014, halten sie nur vier Ängste für bedrohlicher als im vergangenen Jahr.

Insgesamt wies Schmidt den Vorwurf, die Deutschen seien generell ängstlicher als andere Völker, zurück: Alle Ängste hätten reale Ursachen und die Einschätzungen spiegelten eine intensive Auseinandersetzung mit den gegenwärtigen massiven Problemen wider. (epo)

Bild: Manfred G. Schmidt (Quelle: Elke Pohl)

- Anzeige -
- Anzeige -
- Anzeige -

 

VVW | Kontakt | AGB | Datenschutzerklärung | Impressum | Mediadaten